Ibu zieht massenstart nach vorne – nebel jagt männer um 45 minuten

Der Holmenkollen will nicht warten. Wegen heraufziehenden Nebels schiebt die IBU den Massenstart der Männer auf 15.45 Uhr vor – 45 Minuten eher als ursprünglich gelistet. Die Entscheidung fiel Sonntagfrüh, nachdem Wettermodelle dichten Nebel ab 16.30 Uhr prognostizierten.

Warum jede minute zählt

Der Holmenkollen ist berühmt für seine Mikroklimazone. Tagsüber steigt die Feuchtigkeit vom Oslofjord auf, trifft auf kalte Luft über den 371 Metern hohen Hügel – und schon liegt die Strecke im dichten Tuch. Wer dann noch schießt, zielt im Grünen. Die IBU vermeidet seit Jahren Finale im Nebel, weil Sicherheit und TV-Bilder leiden. Um 15.45 Uhr ist die Sicht laut Meteorologen noch stabil, danach wird’s kritisch.

Die Frauen starten unverändert um 13.45 Uhr. Für sie steht das Risiko geringer, ihre 12,5 km sind vor dem Feuchtigkeitsanstieg erledigt.

Den Gesamtweltcup hat sich Eric Perrot schon gesichert, die Disziplinwertung ebenfalls. Trotzdem reizt der Klassiker: Holmenkollen-Sieg bedeutet Audienz bei der norwegischen Königsfamilie. Traditionell empfangen die Majestäten den Tagessieger in der Königlichen Loge – ein Foto, das Karrieren schmückt.

Deutsches kartenblatt: nawrath als joker

Deutsches kartenblatt: nawrath als joker

Philipp Nawrath trägt die besten Karten des DSV-Teams. Der 31-Jährige zeigte in Oslo zuletzt sichere Schießleistung und beendete drei der fünf letzten Rennen unter den Top Ten. Seine Schwäche liegt auf der Schiene: 15 km mit vier Schießeinlagen erfordern Rhythmuswechsel, genau seine Paradedisziplin. «Wenn ich die ersten beiden Serien sitzen lasse, kann ich vorne mithalten», sagte er nach dem Sprint. Die IBU-Zeitverschiebung passt ihm: «Früher Start heißt kürzere Wartezeit, weniger Kopfkino.»

Roman Rees, Justus Strelow und Johannes Kühn starten ebenfalls. Strelow lief in der Vorbereitung die schnellsten Runden, verpasste aber in drei der vier letzten Rennen die letzte Scheibe. Kühn liefert sich mit Benedikt Doll ein internes Rennen um die beste deutsche Platzierung – beide wollen Saisonbilanz aufpolieren.

Die 15 km beginnen mit zwei Liegend-Schüssen, danach wechseln sich Liegend und Stehend ab. Wer früh patzt, landet im Fahrwasser des Feldes, denn die Strecke bietet nur zwei relevante Anstiege. Der Rest ist Fließband – Perfektion zählt.

Neuer termin, alte spannung

Neuer termin, alte spannung

Die IBU betont, dass die Planänderung keine Folgen für die TV-Übertragung hat. Der norwegische Sender NRK sowie Eurosport passen ihre Line-ups an, die deutschen Fans müssen lediglich 45 Minuten früer umschalten. Die Entscheidung sei »im Konsens mit Teams und Organisatoren« gefallen, heißt es in der Mitteilung.

Für die Zuschauer am Berg bedeutet der Vorverlegung mehr Tageslicht und mildere Temperaturen. Der Wind dreht zwar leicht auf Nordwest, bleibt aber unter 8 km/h – ideale Bedingungen für Präzisionsschießen.

Um 17 Uhr steht der Sieger fest. Dann rollt er durch das Ziel auf der Stadionrunde, hört 10 000 Norweger singen – und vielleicht ein paar deutsche Fans, die nach einem enttäuschenden Winter endlich wieder jubeln wollen. Sollte Nawrath die Loge betreten, wäre es der erste deutsche Holmenkollen-Sieg seit Michael Greis 2008. Die Uhr tickt – und mit ihr die letzte Chance, dieser Saison noch ein Gesicht zu geben.