Hummels schlägt alarm nach wm-desaster: "fußball ist zu sehr leistungssport"
Mats Hummels hat das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay als personelle Katastrophe bezeichnet. Der Weltmeister von 2014 fordert harte Konsequenzen – sowohl auf Seiten der Spieler als auch beim Bundestrainer.
"Auf Verantwortlichenseite schreit es schon irgendwie nach Konsequenzen", sagte der 37-Jährige unmittelbar nach dem 3:4 im Elfmeterschießen bei MagentaTV. Das Elfmeterdrama gegen den Außenseiter Paraguay markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer Dekade des Scheiterns.
Drei turniere, zwei enttäuschungen: hummels zieht ein vernichtendes fazit
Hummels ließ keine Zweifel an seiner Diagnose. Die Heim-EM 2024 werde ihm "sportlich im Nachhinein immer noch zu gut geredet". Was blieb? Die Nations-League-Enttäuschung und nun dieses Vorrunden-Aus bei der erweiterten WM.
Die Zahlen sprechen für sich. Seit dem Halbfinaleinzug bei der EM 2016 durchlebte der deutsche Fußball: Gruppenphase-Aus bei zwei Weltmeisterschaften, Achtelfinal- und Viertelfinal-Aus bei Europameisterschaften. Ein Jahrzehnt ohne echte Titelchance.
"Wir reden von einem Jahrzehnt – als Deutschland", betonte Hummels. Das Gewicht dieser Worte darf nicht unterschätzt werden. Der Mann feierte 2010 sein Debüt, erlebte Höhen und Tiefen, wurde von Joachim Löw 2019 aussortiert und 2021 rehabilitiert. Er kennt den Apparat.

Der hinweis auf den "eventuellen neuen bundestrainer"
Besonders brisant: Hummels sprach explizit vom "aktuellen oder eventuell dem neuen Bundestrainer". Ein Satz, der in der Nacht zu Dienstag für Gesprächsstoff sorgte. Julian Nagelsmann selbst hatte zuvor erklärt: "Wenn der DFB will, mache ich weiter."
Doch Hummels fordert mehr als nur Gespräche. "Dafür ist Fußball zu sehr Leistungssport", sagte er – eine direkte Anspielung auf das Fehlen harter Schnitte in der Vergangenheit. Von den Spielern erwartet er Rücktritte: "Auf Spielerseite kann ich mir schon vorstellen, dass einige von sich aus zurücktreten werden."
Die Generation um Manuel Neuer, Thomas Müller, İlkay Gündoğan hat bei vier, fünf, sechs Turnieren keine überzeugenden Ergebnisse geliefert. Das ist kein Zufall mehr, sondern System.

Drei trainer, ein muster: warum die spieler jetzt in der pflicht stehen
Hummels wies auf eine entscheidende Konstante hin. Mit Löw, Hansi Flick und nun Nagelsmann hätten sich drei unterschiedliche Trainerprofile versucht – das Ergebnis blieb gleich. Das deutet auf ein Problem jenseits der Trainerbank.
"Da erwarte ich von einigen, dass sie selber sagen: 'Ich mache nicht mehr weiter'", so Hummels. Selbstkritik statt Ausreden. Das wäre neu.
Die Nacht brachte keine überraschenden Rücktritte mehr. Aber die Diskussion ist längst entfacht. Paraguay rief unterdessen einen nationalen Feiertag aus – während Deutschland über die Zukunft seiner Identitätskraft im Fußball grübelt.
Ein Jahrzehnt ohne Erfolg. Drei Trainerwechsel. Keine Titel. Hummels hat den Tabu-Bruch gewagt. Die Frage ist nicht mehr, ob Konsequenzen folgen müssen – sondern wer als Erster fällt.
