Huesca und cultural leonesa: das duell der verzweifelten

Morgenabend, 20 Uhr, Estadio El Alcoraz: Ein Spiel, das keinen Platz für Halbherzigkeit lässt. Huesca und Cultural Leonesa, beide noch ohne Punkt nach zwei Spieltagen, treffen aufeinander – und für beide gilt: Sieg oder Stimmungskatastrophe.

José Luis Oltra weiß, dass seine Bank glüht. Der neue Huesca-Coach verlor beide Auftaktspiele, kassierte sieben Gegentore und spürt den Atem der Zweifler. „Wir haben in 18 Partien in Folge Rückstand gelegen und nie aufgeholt“, zitierte ihn Radio Huesca. „Wenn uns das morgen wieder passiert, müssen wir es trotzdem drehen – Punkt.“ Die Zahlen sind brutal: Seit März wartet Huesca auf einen Dreier, die Defensive wirkt wie ein offenes Tor, sechs der sieben Gegentore fielen im Umschalten.

Oltra will keine Revolution, sondern eine Rückkehr zur Disziplin. „Ich kann keine Zaubertrank brauen, ich kann nur fordern: Jeder muss seine beste Version finden.“ Der Coach spricht von „La Bestia“, jenem inneren Schalter, den man selbst betätigt. „Fußball ist Stimmung. Wer glaubt, gewinnt.“

Keine zaubertränke, nur harte schale

Die Tribüne wird morgen zum 12. Mann erklärt. „Unsere Fans sind unser Herz“, sagt Oltra und fordert sie auf, die ersten Zweifler-Schreie zu ersticken. Denn das Problem ist nicht nur technisch, es sitzt zwischen den Ohren. Huesca kassierte in 18 Liga-Spielen nie den Ausgleich, wenn es hinten lag – eine mentale Bremse, die sich selbst erfüllt.

Personell bleibt der Trainer konservativ. „Eine Revolution? Vergesst es. Spielen, die frisch sind.“ Jesús Álvarez fehlt weiter, sein Sprunggelenk reicht nicht für 90 Minuten. „Nächste Woche vielleicht“, sagt Oltra knapp. Stattdessen setzt er auf die Achse, die in der Vorbereitung überzeugte: Pulido als Libero, Gerard Valentín als Motor auf rechts, und Seoane als Sechser, der die Transitionslöcher stopfen soll.

Die Cultural kommt mit dem Selbstvertrauen des Abstiegskandidaten, aber auch mit dem Biss des Unterlegenen. Trainer David Crespo warnte seine Mannschaft: „Wenn wir früh treffen, explodiert das Stadion. Aber wenn wir das erste Tor kriegen, wird Huesca wahnsinnig.“ Die Leonesen haben ebenfalls null Punkte, aber sie kassierten nur drei Gegentreffer – ein kleiner Unterschied, der morgen groß werden könnte.

90 Minuten wahrheit

90 Minuten wahrheit

Für Huesca beginnt die Saison erst morgen. Die sportliche Leitung um Generaldirektor Rubén García stellte Oltra frei, die Kabine folgt. Ein Sieg würde nicht nur die Tabelle entzünden, sondern die Angst nehmen. Eine Niederlage hingegen würde denDruck auf die sportliche Leitung erhöhen – und die Gerüchte über einen möglichen Nachfolger lauter werden.

Um 21.45 Uhr wird klar sein, ob Huesca wieder aufsteht oder im Tabellenkeller versinkt. Oltra hat seine Rede gehalten, jetzt sind die Spieler am Zug. „Wir haben keine Zeit mehr für Selbstmitleid“, sagt er. „Morgen zählt nur das Ergebnis.“