Hsv kehrt zurück ans große fenster – bvb muss nach dem lucky punch antworten

Ein Stadion, acht Jahre Stille, ein 1:1 mit Geschmack von Bitterkeit. Jetzt kehrt der Hamburger SV zurück in die alte Hölle, und der BVB darf sich nicht einmal rächen, weil er selbst sich schon längst abgeschossen hat.

Warum heute jeder im signal-iduna-park gewinnen muss – außer den bayern

Warum heute jeder im signal-iduna-park gewinnen muss – außer den bayern

Niko Kovac schaut auf die Uhr, dann auf die Tabelle. Neun Punkte Rückstand, kein Pokal, kein Europa, nur noch diese neun Endspiele, die wie Nachspielzeit wirken. Emre Can fehlt, Ramy Bensebaini kehrt zurück, doch das ist nur Personalposse. Die eigentliche Frage lautet: Wofür spielt der BVB überhaupt noch? Platz zwei ist kein Titel, die Champions-League-Tickets sind länger gebucht, und trotzdem darf Dortmund heute nicht patzen. Weil der HSV kommt, weil der Lucky Punch von Königsdörffer noch in den Knochen steckt, weil ein zweiter Saisonfalter die eigenen Fans in den Wahnsinn treiben würde.

Die Hanseaten landeten am 27. Spieltag mit 30 Punkten auf Rang elf – ein Abstand von sechs Zählern zum Relegationsrang, der wie ein Schatten mitreist. Merlin Polzin hat seine Mannschaft aus dem Keller gezogen, doch die Luft bleibt dünn. Ein Punkt im Dortmunder Kessel würde die restlichen Atemzüge verlängern, drei wären ein Befreiungsschlag, der bis in den Mai reicht.

Das Hinspiel war ein Mikrokosmos der Saison: Dortmund dominiert, vergibt, trifft, glaubt, dass es reicht. Dann fliegt der Ball in der siebten Minute der Nachspielzeit doch noch ins Netz, und der Volkspark explodiert, als hätte jemand das Abstiegsurteil gekippt. Für den BVB war es die Demütigung in Reinkultur, für den HSV der Beweis, dass der Wiederaufstieg nicht nur Glück war.

Heute ist keine Runde im Free-TV zu sehen. Sky und Wow verlangen den Preis, Sport1 liefert den Liveticker. Die Logik des Fußballs-Marktes: Wer zahlt, sieht den Lucky-Punch-Rematch live. Wer nicht zahlt, liest, wie der BVB versucht, die eigene Saison noch einmal in eine Richtung zu lenken, die nicht nach Desaster riecht.

Die Wahrheit ist hart: Der Meister kommt nicht mehr aus Dortmund, der Abstieg nicht mehr aus Hamburg. Trotzdem brennt heute beidbändig. Weil der HSV beweisen will, dass er erwachsen geworden ist. Weil der BVB beweisen muss, dass er noch ein Herz schlägt. Und weil 81.000 in Schwarz-Gelb keine zweite Nachspieltragödie ertragen würden.

Um 18.30 Uhr rollt der Ball, um 20.30 Uhr weiß man, ob der Lucky Punch eine Episode bleibt oder zur Serie wird. Die Tabelle lügt nicht, aber sie lacht manchmal. Heute darf keiner lachen – außer vielleicht der, der in der siebten Minute der Nachspielzeit wieder auftaucht.