Hsg hanau verzichtet auf aufstiegspläne: pokal statt 2. liga

Die HSG Hanau schlägt die Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga aus. Nach 15 Siegen in 18 Spielen reicht Platz drei in der 3. Liga Süd-West, um sich für den DHB-Pokal zu qualifizieren – das ist den Hanauern wichtiger als ein erneuter Anlauf Richtung Profiliga.

Die entscheidung fällt intern – und spiegelt erfahrung wider

„Wir wissen, was auf uns zukommt“, sagt Geschäftsführer Hannes Geist. Die Erinnerung an 2021, 2022 und 2023 sitzt tief. Dreimal nahm die Spielgemeinschaft aus Kesselstadt und Steinheim an der Relegation teil, einmal als Staffelmeister. Dreimal ging der Traum am Ende baden – nicht wegen des Spiels, sondern wegen fehlender Infrastruktur, fehlender Kapazitäten, fehlender Zeit. Die Lernkurve ist steil, die Lektion klar: Ohne sichere Finanzierung und eine Halle, die Lizenzvorgaben erfüllt, führt kein Weg nach oben.

Die Vorgaben der DHB-Hauptrunde haben sich verschärft: Nachweise über Nachwuchsakademien, Mindestbesucherzahlen, Nachhaltigkeitskonzepte, Spieler-Mietkautionsfonds. „Das alles kostet Geld, das wir nicht mal eben neben der Bundesliga-Ausgabenliste stemmen können“, erklärt Geist. Stattdessen setzt der Verein auf Kontinuität: Personalplanung für 2025/26 bereits abgeschlossen, Kooperation mit Schulen und lokalen Firmen ausgebaut, Sponsoring verlängert. Die Lizenzunterlagen für die 2. Liga liegen 2026/27 bereit – wenn dann alle Parameter stimmen.

Sportlich bleibt hanau oben – und jagt den pokal

Sportlich bleibt hanau oben – und jagt den pokal

Am 2. April gastiert Tabellenzweiter TV Gelnhausen in der HSG-Halle. Sechs Punkte trennen die Rivalen, ein Sieg würde Hanau wieder heranholen. Doch selbst wenn die Relegation plötzlich sportlich drin wäre – der Lizenzantrag bleibt eingestampft. Stattdessen richtet sich der Blick auf den DHB-Pokal: Erstrundengegner steht noch nicht fest, doch die Hanauer wollen mindestens eine Runde überwintern, um Prämien und TV-Gelder zu kassieren und das Budget für die nächsten Jahre aufzustocken.

Für die Fans ein bitteres Pillenchen: Die Serie von 13 Heimsiegen in Folge hätte Grund für Jubel geboten. Doch wer die Gespräche in den letzten Wochen mitverfolgte, spürte: Die Entscheidung war längst gereift. „Wir wollen kein Auf und Ab mehr, wir wollen Stabilität“, sagt Geist. Das klingt nüchtern, ist aber ehrlich. In einer Zeit, in der sich mancher Klub mit Milliarden-Investoren Hoffnungen macht, schreibt Hanau das Stichwort „Nachhaltigkeit“ groß. Die 2. Liga kommt – aber nur, wenn sie sich selbst trägt.