Horrorsturz auf der cipressa: debora silvestri stürzt über leitplanke – rennen wird zur nebensache
Die Cipressa frisst ihre Tochter. Debora Silvestri fliegt auf der Abfahrt über die Leitplanke, fällt fünf Meter tief auf Asphalt. Sekundenbruchteile später herrscht Stille – und dann das leise Klirren von Carbon, das sich in die Erinnerung der Zuschauer brennt.
Was als Frühjahrsmärchen beginnen sollte, endet im Sanremoer Krankenhaus. Das Frauenrennen von Mailand-Sanremo, sonst Bühne für Heldentum und Sprintgalas, wird zur Schreckensnachricht. Silvestri, 26, Italienischmeisterin, Laboral Kutxa-Fahrerin, liegt stabil, wie ihr Team notdürftig mitteilt. Doch das Wort „stabil“ klingt in diesem Kontext wie ein schlechter Witz.
Die kette löst sich, die angst bleibt
Es beginnt mit einem Berührungsfehler in der Mitte des Feldes. Kasia Niewiadoma, Ex-Tour-Siegerin, kollidiert mit einer Teamkollegin, reißt eine Lücke. Silvestri, außen positioniert, reagiert mit dem Reflex eines Sprinters, doch die Reaktion kommt zu spät. Ihr Vorderrad touchiert ein Hinterrad, die Lenker schlägt ein, und schon ist sie in der Luft. Eine zweite Fahrerin folgt ihr, kann sich aber aufrappeln. Silvestri nicht.
Die Rennleitung unterbricht die Übertragung, schneidet zu Helikopterbildern des Männerfeldes. Lotte Kopecky gewinnt später souverän vor Noemi Rüegg – aber niemand jubelt so richtig. Die Siegerin wischt sich Asphaltstaub vom Gesicht, der nicht ihr eigener ist.

Pogacar stürzt auch – und gewinnt trotzdem
Im Anschluss peitscht Tadej Pogacar die Via Roma entlang, rast nach eigenem Sturz zum ersten Sieg an der Riviera. Seine Fallgeschichte wirkt wie ein Fußnote. Der Mann kann aufstehen, abhaken, feiern. Bei den Frauen bleibt ein Loch in der Straße – und in der Magengrube aller, die sahen, wie Silvestris Rad in den Abgrund verschwand.
Die Veranstalter wollten 2024 das Frauenrennen endlich gleichwertig ins Rampenlicht heben. Stattdessen steht jetzt ein Rettungswagen im Mittelpunkt. Keine Schuldfrage, nur eine Tatsache: Die Cipressa ist kein Unfallort, sie ist ein Prüfstand. Wer ihn übersteht, gewinnt. Wer ihn verliert, landet im CT.
Spätabends tweetet Laboral Kutxa ein Foto: Silvestri winkt aus dem Krankenhausbett. Die Daumen hoch. Es ist ein Bild, das mehr sagt als jede Pressemitteilung. Die Saison geht weiter – aber die Cipressa wird sie nie wieder so schnell befahren.
