Honda-sony-afeela gestoppt: traumauto stirbt an trumps zöllen

Die Afeela 1 ist tot. Kein einziges Rad wird rollen, kein einziges Display wird leuchten. Honda zieht den Stecker – und mit ihm verschwindet das, was vor drei Jahren in Las Vegas noch als Zukunft des Autos galt: ein elektrisches Gesprächspartner-Sofa auf vier Rädern, entwickelt von Sony-Entertainment-Genies und Honda-Ingenieuren.

Warum honda die notbremse zog

Am 25. März schickte die Joint-Venture-Firma Sony Honda Mobility (SHM) eine knappe Mail an die 1.800 Vorbesteller: „Entwicklung und Markteinführung der Afeela 1 werden ausgesetzt.“ Wer bereits 300 Dollar Anzahlung geleistet hatte, bekommt sie zurück – aber die Enttäuschung bleibt. Denn hinter der Pause steckt kein technisches Problem, sondern pure Kalkulation. Honda-CFO Eiji Fujimura hatte bereits am 12. März erklärt, dass die geplanten drei neuen E-Modelle für Nordamerika „unter der neuen Zollrealität nicht wirtschaftlich sind“. Die Rede ist von 25 Prozent Einfuhrzoll auf Autos, die ab 2025 nicht mindestens 75 Prozent US-Bauteile enthalten – ein Straftarif, den die Trump-Nachfolgeadministration verschärft hat.

Die Afeela 1 sollte in Ohio gebaut werden, doch die Akkus und Sony´s Lasergaming-Chips kommen aus Japan. Die Kalkulation ging auf wie ein Kartenhaus im Orkan. Honda intern heißt es, allein die Nachrüstung von US-Zulieferern würde die Stickkosten pro Auto um 8.400 Dollar in die Höhe treiben – bei einem geplanten Listenpreis von 63.000 Dollar ein Todesurteil.

Was mit den 1.800 vorbestellern passiert

Was mit den 1.800 vorbestellern passiert

SHM verspricht vollständige Rückerstattung innerhalb von 15 Tagen. Doch die verlorene Zeit bekommt keiner zurück. Marktforscherin Yuki Tanaka von Nomura schätzt, dass 70 Prozent der Reservierungen aus Tech-Enthusiasten kamen – genau jene Klientel, die sonitär auf Tesla oder BYD umschwenken wird. „Das Image-Schaden für Sony ist enorm“, sagt Tanaka. „Plötzlich wirkt der Konzern wieder wie ein Spielzeughersteller, der mit echten Auto-Bauern nicht mithalten kann.“

Honda selbst steckt bereits im nächsten Drama: Die kürzlich angekündigte Allianz mit Nissan für günstige E-Plattformen verlangt nun zusätzliche Milliarden, die vor zwei Wochen noch für Afeela reserviert waren. Die japanische Regierung will laut Insidern die geplante Förderprämie für Batteriefabriten um 30 Prozent kürzen – Budget, das frei wird, weil Afeela gestrichen ist. Ein Teufelskreis.

Die tech-features, die nie kommen werden

Die tech-features, die nie kommen werden

Kein anderer Prototyp hatte 2023 so sehr für Aufsehen gesorgt: 40 Sensoren, ein 120-Zoll-Windscreen-Display, ein KI-Dialogsystem, das mit Fußgängern smalltalken sollte. „Wie ein rollendes Playstation-5-Entertainmentzentrum“, schwärmte Sony-CEO Kenichiro Yoshida damals. Nun sammelt der einzige fahrbare Prototyp Staub in einer Tokioter Tiefgarage. Die Entwickler wurden laut SHM „auf andere Connected-Car-Projekte umverteilt“ – ein Euphemismus für interne Umstrukturierung.

Branchenbeobachter sehen in der Beerdigung der Afeela 1 einen Vorbote: Auch Mazda und Subaru prüfen laut Reuters, ihre geplanten US-E-Modelle zu verschieben. Der amerikanische Markt mutiert gerade zum Minenfeld für importabhängige Hersteller. Die Losung lautet: Lokale Produktion oder Tod. Doch wer will schon Milliarden in neue Giga-Pressen stecken, wenn die Nachfrage selbst Tesla seit drei Quartalen rückläufig ist?

Die letzte ironische Wendung: Die Domain „afeela.com“ ist weiterhin erreichbar – und wirbt jetzt stolz mit einem Countdown, der nie abläuft. Ein digitaler Geist, der an die Unerbittlichkeit globaler Handelspolitik erinnert. Die Afeela 1 wird nicht fahren, aber ihre Geschichte schon: als Lehrstück darüber, wie schnell Technologie-Träume an politischen Realitäten zerschellen können.