Honda baut die königin neu: gold wing feiert 50 jahre mit 126-ps-komfortbombe

393 Kilo, 1,83 Liter Sechszylinder, 38.290 Euro – und trotzdem schluckt sie Kurven wie ein Sportler. Die Honda Gold Wing 50th Anniversary ist keine Retro-Maschine, sondern ein Technologie-Update, das die Gran-Turismo-Krone verteidigt.

Der mythos lebt – nur leichter

1975 startete Honda mit der GL1000 den Krieg der Luxus-Tourer. Fünf Jahrzehnte später rollt die sechste Generation mit 40 Kilogramm weniger Fett über die Waage, dafür mit Airbag, 7-Gang-DCT und einem TFT-Zentrum, das selbst Autos neidisch macht. Die „Eternal Gold“-Lackierung ist kein Kitsch, sondern Reminiszenz an die GL1500 von 1988 – jene 80er-Sechszylinder-Ikone, die die Wing erst zur Ikone machte.

Im Großraum Mailand zwängten wir die 2,61 Meter lange Schlachtschiff durch Stop-and-go, über feuchte Pflastersteinen und zwischen doppelt parkenden Lieferwagen. Ergebnis: Der Walking Mode bewegt 400 Kilo spielerisch zurück, der DCT-Automatik-Modus verwandelt die Maschine in ein 126-PS-Maxi-Scooter. Fahrmodus „Rain“ flutscht so sanft, dass selbst Kopfsteinpflaster kein Stolperer wird – ein Szenario, das jede Harley auf die Seite legt.

Auf der autobahn wird der tank zum wohnzimmer

Auf der autobahn wird der tank zum wohnzimmer

Bei 130 km/h dreht der Boxer nur 2.950 U/min – das ist niedriger als mancher Kleinwagen im Leerlauf. Dank elektrisch verstellbarer Scheibe, beheizter Sitzbank und 400-Watt-Sound bleibt das Hirn entspannt, selbst wenn der Tank nach 360 Kilometern Luft will. Wer mit der 50th Anniversary unterwegs ist, versteht, warum US-Polizisten auf Wing-Patrouillen umsteigen: Die Kombi aus Komfort und Reserven macht Stress-Blitzer unmöglich.

Der Haken: 38.290 Euro Basis, 400 Euro Aufpreis für Goldlack und ein 21-Liter-Tank, der auf Distanzreisen alle 300 Kilometer ein Castrop-Rauxel-Gezwitscher verursacht. Dafür schluckt der Topcase zwei Integralhelme plus Laptop, und die Servo-Klappen der Seitenkoffer knallen wie eine Maybach-Tür. Wer jetzt noch über Literpreise jammert, hat die Gold-Wing-Philosophie nicht kapiert: Sie ist kein Motorrad – sie ist ein zweispuriger Privatjet mit Kennzeichen.