Hoffmann im freien fall: der absturz eines hoffnungsträgers
Der Sturz war unerbittlich. Felix Hoffmann, erst vor wenigen Monaten noch als das deutsche Skisprung-Aushängeschild gefeiert, taumelt in eine tiefe Krise. Beim Skifliegen am Kulm verpasste er den zweiten Durchgang – ein neuer Tiefpunkt in einer Saison, die seit den Olympischen Spielen bergab geht.

Hannawald analysiert: die energie ist weg
„Der ist aktuell völlig weg“, analysierte ARD-Experte Sven Hannawald unmissverständlich. „Das Energie-Level von ihm geht gerade mal noch über die Knie.“ Was einst als kometenhafter Aufstieg begann, hat sich in einen bitteren Absturz verwandelt. Nach dem überraschenden Sieg bei den deutschen Meisterschaften im Oktober und Podestplätzen in Lillehammer und Engelberg, schien der 28-jährige Thüringer endgültig in der Weltspitze angekommen zu sein.
Die Vierschanzentournee bestätigte diesen Eindruck noch, mit einem dritten Platz in Oberstdorf und einem starken sechsten Gesamtrang. Doch mit Olympia kam der Bruch. Dort konnte Hoffmann seine zuvor gezeigten Leistungen nicht abrufen und sprang weit hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Ein Muster, das sich nun im Weltcup wiederholt.
„Der Akku geht immer weiter runter“, so Hannawald, „und er kämpft gegen sich selbst. Er will den Erwartungen gerecht werden, aber das räubert ihm die Kraft. Ihm fehlt es an diesem letzten Prozent, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.“ Hoffmann selbst versucht, die Fassung zu wahren. „Gestern hatte ich zu viel Druck. Heute habe ich einiges umgestellt, aber es war nicht effektiv.“
Trotz der körperlichen Verfassung – „Ich fühle mich gut“ – merkt man ihm die innere Zerrissenheit an. „Innerlich hadere ich schon“, gab er zu, „aber es fliegt halt nicht.“ Hannawald beobachtet das Leiden des jungen Skispringers mit Sorge: „Von außen ist es extrem schwer anzusehen, wie er leidet, auch wenn er es weglächelt.“
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Aufstieg war rasant, der Fall umso härter. Ob Hoffmann noch einmal zu alter Stärke findet, bleibt abzuwarten. Doch die aktuellen Leistungen lassen wenig Hoffnung auf eine baldige Trendwende. Der Druck wächst, und die Zeit drängt. Die kommenden Wettkämpfe werden zeigen, ob er den Weg zurück findet – oder ob sein Fall weitergeht.
