Hoeneß zückt die schere: kann stuttgart mainz dreimal schlagen?

Stuttgart – Dreimal ist einmal zu oft. Das weiß auch Sebastian Hoeneß, selbst wenn er sich nach den beidenklaren Siegen gegen Mainz 05 (2:1, 2:0) gerne auf das Sprichbuch berufen würde. „Aller guten Dinge sind drei“, sagte der Coach des VfB vor dem Gastspiel am Samstag (15.30 Uhr) im Mewa-Forum – und sofort schraubte er die Erwartung wieder runter. „Aber das wird anspruchsvoll. Das war es schon immer in Mainz. Jetzt mit der neuen Energie vielleicht noch ein bisschen mehr.“

Die wahre waffe heißt urs fischer

Was Hoeneß da als „neue Energie“ umschreibt, hat einen Namen: Urs Fischer. Der Schweizer übernahm Ende Oktober eine Mannschaft, die gegen Stuttgart zweimal binnen vier Tagen kassierte, ihr Selbstvertrauen im freien Fall. Elf Partien später steht Mainz auf Relegationsplatz 16, hat 20 Punkte geholt und damit so viele wie kein anderer Abstiegskandidat seit Winterbeginn. „Ich schätze Urs sehr“, sagt Hoeneß. „Er hat eine klare Idee – Konter, Standards, lange zweite Bälle. Die Mannschaft hat er in Rekordzeit umgebaut.“

Umgebaut heißt: Neue Leute, neue DNA. Mit Moritz Jenz (Leihgabe Lyon) und Nadiem Amiri (Leihgabe Leverkusen) holte Sportdirektor Christian Heidel genau die Spieler, die Fischers System bedienen. Stuttgart dagegen muss erneut umbauen. Josha Vagnoman (Muskelbündelriss) fehlt weiterhin, Lazar Jovanovic (Rücken) und Jeff Chabot (Rücken) stehen fraglich bis verletzt. Letzterer soll zwar mitreisen, doch der Rücken macht eben kein X-Foto, sondern X-Problem.

Die statistik lügt nicht – aber sie droht zu platzen

Die statistik lügt nicht – aber sie droht zu platzen

Die Zahlerei spricht klar für den VfB: Zwei Siege, 4:1-Tore, 58 Prozent Ballbesitz in beiden Spielen. Doch Zahlen kennen keine Psyche. Mainz ist seit acht Heimspielen ungeschlagen, hat zuletzt Dortmund und Leipzig nacheinander aufgebrettert. „Die Mannschaft, die wir im Oktober geschlagen haben, ist nicht mehr die, der wir am Samstag begegnen“, warnt Hoeneß. Er spricht von einem „Mainz 2.0“, das mit der Frische eines Aufsteigers daherkommt.

Die Frage ist nicht, ob der VfB die Qualität hat, um ein drittes Mal zu gewinnen. Die Frage ist, ob er die Frische mitbringt, nachdem er selbst gegen Wolfsburg (4:0) erstmals wieder die Souveränität der Hinrunde zeigte. Hoeneß’ Lösung: „Wir müssen unsere eigene Energie schaffen, nicht nur die von Mainz bremsen.“ Das klingt nach Befreiungsschlag statt Verwaltung – und das ist auch nötig. Denn ein dritter Sieg würde Stuttgart auf 52 Punkte katapultieren, die beste Ausgangslage seit 2009 für die Champions-League-Quali.

Am Ende bleibt ein Satz, der wie ein Mantra klingt: „Wir haben sie schon zweimal geschlagen.“ Aber der Pokal ist halb leer, nicht halb voll. Mainz will Revanche, Stuttgart will den Hattrick. Die Schere im Kopf ist geöffnet – wer zuerst zupackt, entscheidet am Samstag, ob aus dem Spruch „Aller guten Dinge sind drei“ eine Erinnerung oder eine Warnung wird.