Hjulmand vor pokal-knaller: „ich arbeite bis tief in die nacht – alles für leverkusen“
Kasper Hjulmand spürt den Atem der Bayern im Nacken – und trotzdem wirkt der Bayer-Coach wie ein Mann, der kurz vor dem Sprung ins Wasser steht: entschlossen, nervös, aber nicht verzagt. Am Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF/Sky) rollt im Halbfinale des DFB-Pokals der Ball im BayArena, und für den Dänen ist das mehr als ein Ticket nach Berlin. Es ist eine Lebensversicherung.
Leverkusens saisonziel rutscht weg – der trainer bleibt cool
Die Champions-League-Ränze rutschen seit Wochen aus dem Blickfeld, Rang fünf ist aktuell das bittere Maximum. Medienberichte zirkulieren bereits über interne Krisensitzungen und Kandidaten wie Xabi Alonso oder Adi Hütter. Hjulmand kennt die Meldungen, liest sie aber nicht. „Ich bin völlig konzentriert auf die Aufgaben“, sagt er mit dieser ruhigen Stimme, die in Kopenhagen noch eine ganze Nation hinter sich versammelte. „Ich mache alles, von morgens bis manchmal in die Nacht, um dieser Mannschaft zu helfen.“
Die Worte klingen nicht nach Standard-Trainer-Pathos. Sie klingen nach einem Mann, der weiß, dass er morgen entweder Held oder Ex-Coach ist. Die Bayern kommen als Titelverteidiger, als haushoher Favorit – und dennoch: das 1:1 im März in der Liga war kein Ausrutscher der Münchner, sondern ein Warnschuss. Leverkusen dominierte die zweite Halbzeit, Grimaldo und Wirtz ließen die Außenbahnen glühen. „In einem Spiel kann alles passieren“, sagt Hjulmand. „Letzten Monat war es sehr eng. Wir hatten Chancen gegen Bayern. Die Möglichkeiten sind da.“

2.000 Fans, ein stadion, eine letzte rakete
Die Rheinländer haben 2024 bereits ein Pokalfinale bestritten, damals gegen Zweitligist Kaiserslautern. Diesmal winkt das Duell gegen den VfB oder Eintracht – machbare Gegner, ein Titel, der die enttäuschende Liga-Laufzeit in Sekundenschnelle vergessen machen würde. „Das ist eines der größten Spiele Europas“, sagt Hjulmand und meint damit nicht die mediale Rahmung, sondern die Brisanz für seinen eigenen Klub. Gewinnt Bayer, fliegt die Quali-Sorgen erst einmal aus dem Fenster. Verliert er, dürfte die Trennung nur noch Formsache sein.
Am Dienstagvormittag trabt die Mannschaft über den Platz, Hjulmand steht an der Seitenlinie, schnattert mit Sportchef Simon Rolfes. Die Körpersprache wirkt locker, fast ein wenig zu locker. Aber dahinter steckt Methode. „Wenn wir Angst zeigen, überträgt sich das auf die Spieler“, sagt Co-Trainer René Adler. Draußen vor dem Stadion campieren bereits 2.000 Anhänger, sie schwenken Fahnen, singen sich heiser. Ein kleiner Wall gegen die drohende Leere der nächsten Saison.
Hjulmand wird die Nacht durcharbeiten, wie er es versprochen hat. Videoanalyse, Eckstafetten, Elfmeter-Katalog. Der Däne weiß: Entscheidend ist nicht, ob die Bayern 70 oder 80 Prozent Ballbesitz haben. Entscheidend ist, ob Leverkusen in den verbleibenden 30 Prozent zündet. „Wir brauchen einen perfekten Tag“, sagt er. „Aber den kann ich nicht herbeireden. Den müssen wir uns erarbeiten.“
Kurz vor Ende des Interviews packt er noch einen Satz an, fast beiläufig: „Wenn wir nach Berlin wollen, müssen wir zeigen, dass wir bereit sind zu sterben – und dann wieder aufzustehen.“ Kein Pathos, kein Pathos-Pathos. Einfach die Wahrheit. Um 20.46 Uhr weiß man mehr. Entweder steht Hjulmand als Sieger da – oder er steht ganz woanders.
