Hitlergruß in frankfurt: spurs zahlen 30.000 euro und stehen unter bewährung
Der Sieg gegen Eintracht Frankfurt hatte Tottenham Hotspur noch in die K.o.-Runde der Champions League katapultiert. Nun folgt die Quittung: Die UEFA bestraft den Klub mit 30.000 Euro und einem Bewährungsauftrag für seine Anhängerschaft. Grund sind drei Einzeltäter, die am 29. Januar im Auswärtsblock des Deutsche Bank Parks den verbotenen Hitlergruß zeigten.
Die tat: sekunden, die london in die bredouille bringen
Zeugenberichten zufolge reckten die Männer mehrfach den rechten Arm, während die deutschen Fans unmittelbar darauf mit Sprechchören reagierten. Sicherheitskräfte identifizierten die Rauswurf-Objekte noch vor Ort, die UEFA-Leitstelle nahm die Bilder in die Untersuchung auf. Wenige Tage später lag dem europäischen Verband ein entsprechender Bericht vor – und das Urteil fiel schnell: Geldstrafe plus ein Jahr Bewährung, bei erneutem Vorfall Auswärtsfans-Ausschluss.
30.000 Euro klingen nach Kleingeld für einen Premier-League-Riesen, doch der Imageschaden ist größer. Tottenham rutste in der Liga auf Platz 16 ab, nur vier Punkte trennen die Spurs vom ersten Abstiegsplatz. Und während sich die sportliche Krise zuspitzt – fünf Pflichtspiele ohne Sieg, vier Pleiten nacheinander –, muss der Klub nun auch noch erklären, warum sich Teil seiner Fangemeinde rassistischer und menschenverachtender Parolen bedient.

Knallhartes urteil für den verein, weil täter einzeln kaum zu fassen sind
Die UEFA folgt dabei einem klaren Muster: Kollektivstrafe, wenn individuelle Zuordnung auf Tribüne und Video nicht zu hundert Prozent gelingt. Tottenham reagiert mit maximaler Härte gegen die eigenen Leute. „Die drei Personen wurden auf Lebenszeit gesperrt“, heißt es in einer Stellungnahme. „Wir lehnen jede Form von Diskriminierung strikt ab.“ Die Nebelkerzen-Show rechtsradikaler „Ultras“ sei „nicht Teil unseres Vereins und der Mehrheit unserer Anhänger“.
Die Botschaft ist eindeutig, doch sie kommt spät. Die Taten ereigneten sich vor europäischen Augenzeuginnen und Kameras. Und sie wirken nach: Wenn Tottenham am 21. Februar in Madrid im Achtelfinal-Hinspiel bei Atletico ran muss, wird jede Choreografie, jeder Gesang, jede Geste im Gästeblock gescannt. Ein zweiter Vorfall innerhalb der Bewährungsfrist und die Spurs müssen ohne Support in der spanischen Hauptstadt antreten.
Die sportliche Lage ist prekär. Nach dem 2:0 in Frankfurt folgte ein freier Fall. Crystal Palace wartet am Donnerstag im eigenen Stadion, eine Woche später geht’s nach Madrid. Beide Partien sind Endspiele – nicht nur wegen des sportlichen Drucks, sondern auch wegen der Fan-Auflagen. Tottenham muss beweisen, dass der Hitlergruß eine Ausnahme war. Sonst droht dem Klub, der 1963 als erster englischer Vertreter eine Europapokal-Halbfinale erreichte, ein historischer Tiefpunkt: europäisches Bewährungsmodell inklusive Abstiegskampf daheim.
Die Londoner dürfen also nicht nur auf dem Platz gewinnen. Sie müssen auch auf den Rängen liefern – und das vor allem in Spanien, wo die Erinnerung an deutsche Provokationen besonders tief sitzt. Die UEFA hat ihren Zeigefinger erhoben, die Spurs haben sich selbst aufs Kreuz gelegt. Ob sie sich bis zum Rückspiel im März befreien können, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Die Uhr tickt. Die Bewährung läuft. Und die Konkurrenz wartet darauf, dass der nächste Fehltritt die Spurs buchstäblich die Stimme kostet.
