Hill schlägt zurück: 2026-reglement liefert endlich wieder kampf statt prozession

Damon Hill pfeift auf die Jammerlappen im Fahrerlager. Der Weltmeister von 1996 feiert das neue Reglement als Freifahrtschein für Hirn statt Bleifuß – und nannte nach Suzuka den ersten Namen, der von dieser Philosophie profitiert: Oscar Piastri.

Lift-and-coast? kein makel, sondern strategie

„Ich weiß, manchen Piloten missfällt es, Tempo rauszunehmen, um Strom zu sparen“, sagte Hill im Gespräch mit F1 TV. „Aber genau das zwingt sie zum Nachdenken. Wir bekommen taktische Schachzüge statt Monotonie. Das ist Unterhaltung, keine Verzögerung.“ Die Zahl sprechen für ihn: 120 Überholmanöver in Melbourne – 2025 waren es 45. Suzuka lieferte Konter, Doppelkonter, Fights über drei Kurven. „So etwas sieht man sonst nur in der MotoGP“, freut sich Hill.

Seinen Satz über das vermeintliche Drama zog er schonungslos durch den Kakao: „Einige Jammern, sie wären nur Passagiere. Nonsens. Wer nur Vollgas gibt, ist hier fehl am Platz. Wer nicht bereit ist, Energie zu managen, sollte vielleicht Karts fahren.“

Piastri liefert den beweis

Piastri liefert den beweis

Den zweiten Platz des Australiers bezeichnete Hill als „Lehrstunde für alle Skeptiker“. Nach zwei Ausfällen in Melbourne und China habe Piastri in Suzuka „ein perfektes Rennen von der Pike auf“ gemacht. „Er war das ganze Wochenende ruhig, sparte Saft, attackierte, als die Batterie voll war, und verteidigte, als sie leer wurde. Genau das verlangt das Reglement: Köpfchen statt nur Körper.“

Hill sieht darin eine Trendwende: „McLaren zeigt, dass man mit Cleverness vorne mitfährt, nicht nur mit Downforce. Das spornt Mercedes, Ferrari und Red Bull an. Wir haben sechs Fahrer, die siegen können – das gab es zuletzt 2012.“

Villeneuve sieht’s nüchterner, hill lacht es weg

Villeneuve sieht’s nüchterner, hill lacht es weg

Jacques Villeneuve warf ein, Suzuka sei „interessant, nicht aufregend“. Hill konterte trocken: „Wenn dir 120 Überholversuche nicht reichen, schalte Golf zurück. Dort sind null drin.“ Der Kanadier habe recht, dass Suzuka früher eine Prozession war. „Genau deshalb ist das neue Format ein Fortschritt. Wir haben Endlos-Duelle statt Abstandstakte. Das musst du wollen – oder du gehst ins Museum.“

Die nächsten Rennen werden zeigen, ob die Mehrheit der Fahrer umschwenkt. Doch Hill ist sich sicher: „Wer jetzt noch meckert, lügt sich selbst in die Tasche. Die Fans jubeln, die Zuschauerquoten steigen, und die Strategen bekommen endlich wieder Arbeit. Das ist kein Bug, das ist das Feature.“

Fakt ist: Nach drei Grand Prix stehen drei verschiedene Autos auf den Podestplätzen, und kein Fahrer konnte sich durchrechnen. Wer das für Zufall hält, versteht die neue Spielweise nicht. Hill schon – und er genießt jeden Quadratmeter Asphalt, auf dem jetzt wieder gekämpft wird.