Hildesheim klaut leipzig den rückraum: kremen wechselt zum hc eintracht
Ein Sieg, ein Transfer, ein Schock für den Gegner: Noch stand Ben Kremen am letzten Sonnabend in Leipzig im Dress von HSG 1846, da hatte Daniel Deutsch längst den Handschlag für den Sommer 2025 gegeben. Nun ist klar – der 23-jährige Rückraumspieler zieht 180 Kilometer westlich, wo Eintracht Hildesheim gerade einen neuen Körper zusammenschmiedet.
Deutsch setzt auf variabilität statt superstars
„Ben ist ein Schweizer Taschenmesser“, sagt Deutsch und meint das als Kompliment. „Links, Mitte, Kreisdeckung, 3–2–1-Varianten – er schaltet sich binnen Sekunden um.“ Nach dem Exodus von fünf Leistungsträgern war Flexibilität oberstes Kriterium. Mit Kremen folgen auf Thorge Lutze und Luca Hopfmann bereits drei Neuzugänge für die Mittelblock-Position. Eintracht will offensichtlich nicht mehr von Einzelkönnern abhängen, sondern von einem Kollektiv, das jeden Gegner neu vermessen kann.
Die Zahlen sprechen für sich: 47 Treffer erzielte Kremen in der abgelaufenen Regionalliga-Saison, 38 davon aus dem Rückraum. Dazu 86 % Erfolgsquote im Siebenmeterwurf. Leipzig wird die Lücke nicht ohne Schmerzen schließen – vor allem, weil der Spielmacher mit seiner Entscheidung während des Auswärtsspiels in Hildesheim offenbar schon die Reaktion der Leipziger Bank kannte. „Manchmal muss man Trennungen vorverlegen, um sich selbst zu befreien“, sagt Kremen, ohne Details nennen zu wollen.

Weitere transfers stehen kurz vor dem abnicken
Deutsch kündigt weitere Personalien „innerhalb der nächsten zehn Tage“ an. Das Budget ist laut Insidern bereits zu 70 % ausgeschöpft, doch Sponsoren aus der regionalen Bauindustrie stiegen kürzer als erwartet ein. Die Kampagne „Zukunft Handball 2028“ wirbt mit Kurzzeitverträgen und Image-Rechten für junge Spieler, die bereit sind, unter dem Radar zu leben. Ob sich dahinter ein zweiter Torjäger oder ein erster Kreisläumer verbirgt, hält der Club bedeckt.
Für Kremen beginnt sofort die Doppelbelastung: Er will Leipzig bis zum Saisonende noch einmal in die Play-offs führen, gleichzeitig schaltet er in Hildesheim schon mental um. „Ich habe den Vorteil, dass ich die meisten Hildesheimer Jungs aus der Jugendnationalmannschaft kenne. Die Chemie stimmt, bevor das erste Passspiel überhaupt läuft.“
Die Fans reagierten gemischt. Auf Instagram feierte der offizielle Account 3.000 neue Follower innerhalb von 24 Stunden, doch in Leipziger Foren liest man von „Verrat“ und „Gehaltstreiberei“. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und wird erst sichtbar, wenn die Punkte in der 3. Liga Nord-Ost gezählt werden. Bis dahin tickt die Uhr für Deutsch und Kremen – und sie tickt schnell.
