Hilde gerg: ein kreuzbandriss darf kein karriereende sein – tipps für lindsey vonn
Hilde gerg: ein kreuzbandriss darf kein karriereende sein – tipps für lindsey vonn
Lindsey Vonn plant ein Comeback bei den Olympischen Spielen trotz eines Kreuzbandrisses. Eine Situation, die an die Erfahrungen von Hilde Gerg erinnert. Die ehemalige Skirennläuferin und heutige Gesundheitscoachin spricht im Interview mit Sport1 über ihre eigene Verletzung, die Herausforderungen und gibt der Amerikanerin Ratschläge für die bevorstehende Abfahrt in Cortina d'Ampezzo.
Erinnerungen an lake louise
“Es war sehr ähnlich wie bei Lindsey“, erzählt Hilde Gerg. Im Winter 2002/03 erlitt sie in Lake Louise einen Kreuzbandriss, während sie gleichzeitig in der Weltcup-Gesamtwertung im Super-G und in der Abfahrt führte. Die Entscheidung, trotzdem weiterzufahren, fiel in enger Zusammenarbeit mit ihrem Physioteam und den Ärzten. Ziel war es, die bestmögliche Fitness des Knies zu erreichen.

Die rehabilitation und die mentale stärke
“Ich konnte normal gehen und die Muskulatur anspannen. Auch auf kurze, schnelle Bewegungen hat das Knie reagiert. Der Schmerz war relativ schnell kontrollierbar, so dass das Konditionstraining gut möglich war”, berichtet Gerg. Die kurze Zeit zwischen Verletzung und dem ersten Rennen in Lenzerheide (14 Tage später) war jedoch eine Herausforderung. “Da braucht man ein gewisses Mindset. Nach so einer Diagnose ist die Saison normalerweise beendet.”
Der dritte platz in cortina
In Cortina d'Ampezzo erreichte Gerg kurz nach ihrer Verletzung den dritten Platz. “Im Lauf selbst hatte ich einen Schreckmoment. Bei einer entscheidenden Kurve lastete mein Gewicht hauptsächlich auf dem linken Bein, und ich spürte, dass die Muskulatur nicht so gehorchte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Man muss sich auf solche Situationen gut einstellen”, erklärt sie. Lindsey Vonn sei in solchen Momenten eine Spezialistin.
Ratschläge für lindsey vonn
“Angriff ist der beste Weg zur Verteidigung”, rät Gerg Vonn für das Abfahrtsrennen. “Sie sollte besonders auf den Schwungansatz mit dem linken Bein achten, um sicherzustellen, dass die Muskulatur ihre Arbeit verrichtet. Wenn sie sich entscheidet, zu starten, dann mit voller Überzeugung und allem, was sie hat. Passivität ist gefährlicher als ein aktiver Ansatz.”
Gerg's einschätzung zum deutschen team
Neben Vonn sieht Gerg auch bei den deutschen Skifahrerinnen großes Potenzial. “Kira Weidle-Winkelmann könnte auf dieser Strecke sehr gut zurechtkommen. Sie und Emma Aicher gehören zum erweiterten Favoritenkreis. Wenn sie mit Freude und Angriffslust fahren, können sie sich gut verkaufen.” Auch bei den Herren sieht sie spannende Möglichkeiten, besonders für Linus Straßer im Slalom.
Der slalom der herren: unvorhersehbar
“Der Slalom der Herren ist unberechenbar. Jeder der ersten Zehn kann in jedem Rennen unter die ersten Drei fahren. Es kommt auf die Kurssetzung an und darauf, dass die Rennen fair für die Athleten sind. Man kann Linus nur die Daumen drücken, dass er einer der Glücklichen ist, der an dem Tag eine Top-Performance abliefert.”
