Hertha verspielt alles in der nachspielzeit – bochum erntet spätes geschenk
Berlin atmete schon durch, da schlug Leandro Morgalla zu. Die 94. Minute. Ein Eckball, ein Gewühl, ein Knall – 1:1. Mit dem Schlusspfiff riss Hertha BSC die Rechnung wieder entzwei: drei Siege in Serie? Fehlanzeige. Der Aufstieg? Nur noch Fernsehglotzen.
Kownackis geburtstag endet mit einem kater
Dawid Kownacki hatte sich selbst die Schokolade auf dem Törtchen gezündet. Elfmeter, 45. Minute, cool wie ein Berliner Winter – 1:0. Der 29-Jährige jubelte, die Alte Försterei tobte, die Luft roch nach Aufstieg. Doch Luft ist flüchtig. „Bis zur 90. Minute hatte ich einen perfekten Geburtstag“, sagte er später, die Stimme schwer wie Blei. Dann kam Morgalla und schmiss die Torte vom Tisch.
Hertha dominierte, aber dominierte nur die Statistik. Ballbesitz: 62 %. Torschüsse: 11 zu 2. Zweikämpfe: 57 % gewonnen. Und trotzdem reichte es nur für einen Punkt, der wie eine Niederlage schmeckt. Die Berliner verfielen in der zweiten Hälfte ins Betongemische: hinten sichern, vorne vergessen. „Wäre cool, wenn du dann mal ein 2:0 machst“, monierte Paul Seguin. Stattdessen war es Bochum, das den Ausgleich traf – mit dem ersten Torschuss seit der 23. Minute.

Leitl spricht von enttäuschung, ernst von schmerz
Trainer Stefan Leitl stand vor den Mikrofonen, die Kappe tief in die Stirn gezogen. „Ein sehr enttäuschendes Ergebnis, wenn du so spät den Ausgleich bekommst“, sagte er, als wollte er den Satz gleich wieder einsaugen. Tjark Ernst, der Keeper, war offener: „Extrem ärgerlich. Bochum hatte keinen Torschuss, soweit ich mich erinnern kann.“ Dann kam die Erinnerung in Form von Morgallas Fuß. Der Ball zischte aus drei Metern ins Netz, Herthas Hoffnung hinterher.
Die Tabelle lügt nicht. Hertha liegt nach 32 Spielen bei 50 Punkten – neun hinter dem Relegationsplatz, elf hinter dem direkten Aufstieg. Drei Spiele bleiben. Die Mathematik ist gnadenlos: Selbst drei Siege reichen womöglich nicht. „Wir müssen jetzt alles reinhauen“, forderte Seguin. Aber Worte sind Schaum, die Punkte sind Käse. Und Käse ist teuer in der Zweiten Liga.
Am Sonntag kommt Hannover 96, dann Darmstadt, dann Magdeburg. Drei Endspiele, keine Garantie. Hertha muss gewinnen, gewinnen, gewinnen – und darf nicht einmal mehr zittern. Die Saison endet nicht mit einem Knall, sondern mit einem Flüstern: vielleicht nächstes Jahr. Oder nie wieder. Denn in der 2. Bundesliga wartet niemand. Nicht auf Berlin, nicht auf Hertha, nicht auf Träume, die in der 94. Minute platzen.
