Hertha bsc: görlich bestätigt leitl und weber, droht abriss im kader
Peter Görlich zieht die Notbremse – und hält zugleich die Hand aufs Steuer. Der Geschäftsführer von Hertha BSC garantiert Stefan Leitl und Benjamin Weber das Vertrauen, unabhängig davon, ob die Berliner diese Saison noch in die Bundesliga springen oder nicht. Doch hinter der Kontinuität auf der Leitungsebene droht dem Kader ein radikaler Schnitt.
„Kein hurra-fußball“: görlich erklärt die zweite liga zur realität
„Diesem Verein tut in seiner Wankelmütigkeit Kontinuität gut“, sagt Görlich im FAZ-Gespräch. Doch der Begriff ist bei Hertha keine Garantie für Gemütlichkeit. Gemeinsam mit Leitl und Weber plant der 54-Jährige einen „Neustart“, der die Mannschaft kleiner, jünger und vor allem günstiger machen soll. Fabian Reese, Tjark Ernst und Kennet Eichhorn stehen auf dem Prüfstand. „Wir sind nicht der Verein, der es sich leisten kann, Angebote wegzuatmen“, präzisiert Görlich die neue Ökonomie.
Die Aussage trifft den Kern des Problems. Hertha lebt noch immer von der Erzählung, Großclub zu sein, muss sich aber mit den Einnahmen einer Zweitliga-Existenz begnügen. Die Folge: ein Kader, der für die Bundesliga konstruiert wurde, aber seit drei Jahren in der 2. Liga spielt. „Wir sind ein hoch verschuldeter Klub mit mangelhafter Infrastruktur. Das beginnt beim Trainingsplatz und hört bei den Räumlichkeiten auf“, beschreibt Görlich den Zustand, den er nicht länger kaschieren will.

Transformation statt transfer-offensive
Statt nach dem nächsten Millionen-Coup sucht Hertha nun nach Spielern, die sich in ein Reduziertes-Kosten-Modell einpassen. Die Kadergröße soll schrumpfen, die Gehaltsstruktur wird neu justiert. „Kontinuität ist nicht mit Mutlosigkeit zu verwechseln“, betont Görlich. Gemeint ist: Wer bleibt, muss sich der neuen DNA fügen – leidenschaftlich, leistungsorientiert, bezahlbar.
Für die Fans bedeutet das ein mentales Reset. Der Traum vom schnellen Wiederaufstieg weicht der Erkenntnis, dass sich der Club erst einmal selbst neu erfinden muss. „Wir müssen uns komplett auf die 2. Liga einstellen und sie annehmen“, fordert Görlich. Kein Sieg gegen den Abstieg, sondern eine Neujustierung der Erwartungen. Die Saison 2025/26 sieht er deshalb als „Startpunkt für etwas, das tatsächlich zu etwas Größerem führen kann“ – nur wird dieses „Größere“ nicht in Liga eins, sondern in einer stabilen, schuldenfreien Zukunft liegen.
Der Countdown läuft. Noch zehn Spieltage, dann entscheidet sich, ob Hertha die Relegation noch packt. Doch egal, wie die Tabelle aussieht: Der Kader wird sich verändern, die Gehälter sinken, die Illusionen bleiben im Olympiastadion stehen. Görlich hat den Satz schon parat: „Dieser Klub wird sich radikal verändern – ob er will oder nicht.“
