Hertha bangt kownacki – braunschweig hofft auf wunder
Berlin atmet auf, Braunschweig klammert sich fest: Das Duell zweier Teams mit unterschiedlichen Zielen steht an. Hertha BSC, gezeichnet von verpassten Chancen und internen Querelen, muss in Braunschweig punkten, um die theoretische Möglichkeit eines Aufstiegs zu wahren. Doch die Lage verdüstert sich durch die Verletzung von Sturmfaktor Dawid Kownacki.
Leitl unter druck – jobgarantie tröstet nicht
Die überraschend frühzeitige Jobgarantie für Hertha-Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber, verkündet von Geschäftsführer Peter Görlich, wirkt angesichts der sportlichen Misere fast grotesk. Während Leitl in seinen bisherigen 45 Spielen zwar 21 Siege einfuhr, ist der Aufstiegskampf für die Berliner fünf Spieltage vor Saisonende kaum noch realistisch. Die Spielweise der Hertha wirkt seit Wochen statisch und wenig inspirierend, ein Problem, das Görlich offen anspricht.
Der Kader, der teuerste der zweiten Liga, entpuppt sich als Fass ohne Boden. Es ist ein Dilemma, das Weber, der für die Zusammenstellung dieses Kaders verantwortlich ist, nun gemeinsam mit Leitl lösen muss. Die Aufgabe ist klar: Kosten und Nutzen müssen endlich in Einklang gebracht werden.

Braunschweig trotzt der krise – kornetka gibt hoffnung
Auf Braunschweiger Seite herrscht eine andere Stimmung. Nach dem verpatzten Start unter Heiner Backhaus hat der neue Trainer Lars Kornetka frischen Wind in das Team gebracht. Die Eintracht hat zwar in den letzten neun Liga-Spielen nur einen Sieg errungen, doch die Leistungen stimmen seit dem Trainerwechsel. „Backhaus hat dem Team spielerisch wenig mit auf den Weg gegeben“, analysiert der Braunschweiger Podcast-Experte Thomas Löwe. „Kornetka hat in kürzester Zeit Leben eingehaucht.“
Die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist zurückgekehrt, auch wenn der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag ein nervenaufreibendes Gedicht werden könnte. Ein großes Manko bleibt jedoch die fehlende Torgefahr. Nach dem Abgang von Christian Conteh fehlt es an einem Vollstrecker, der die entstandene Lücke füllen könnte. Mehmet Aydin ist mit fünf Saisontoren bester Torschütze – ein Wert, der in der Bundesliga kaum Eindruck hinterlässt.
Dennoch gibt es Lichtblicke. Jovan Mijatovic, der junge Stürmer, zeigt immer wieder sein Potenzial, und Rückkehrer Lino Tempelmann stabilisiert das Mittelfeld. Ob diese Hoffnung ausreicht, um gegen eine nominell stärkere Hertha zu bestehen, bleibt abzuwarten.

Schlüsselspieler und prognosen
Hertha muss vor allem aufpassen auf Mijatovic und Tempelmann, die das Braunschweiger Spiel beleben können. Leitl muss ohne Kownacki improvisieren und auf die Erfahrung seiner Routiniers setzen. Die Auswärtstabelle zeigt: Hertha ist eine Macht, wenn sie ihr Spiel durchzieht.
Der Tipp des Experten Thomas Löwe: „Hertha wird das Spiel kontrollieren, aber Braunschweig wird kämpfen wie ein Löwe. Ich tippe auf einen knappen 1:0-Sieg der Eintracht.“
Die Wahrheit ist: Hertha braucht diesen Sieg dringender als Braunschweig. Doch in der Welt des Fußballs zählt selten die Notwendigkeit, sondern die Entschlossenheit. Und die scheint in Braunschweig gerade größer zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eintracht die Klasse hält, ist gestiegen.
