Helikopter-einsatz nach crash: jaume guardeno kämpft auf intensiv um sein leben

Die Radsport-Welt hält den Atem an. Jaume Guardeno, 23, Katalonien-Top-Ten-Fahrer und heißester spanischer Nachwuchshoffnung, liegt mit Schädel-Hirn-Trauma in der Taulí-Klinik Sabadell. Ein Lastwagen riss ihn während des Dienstag-Trainings auf einer Landstraße nahe Terrassa mit. Notarzt, Hubschrauber, Not-OP – die Standard-Sequenz, die Profis insgeheim fürchten.

Was genau passierte, klärt die Mossos-Einheit noch. Augenzeugen sprechen von einem Frontal-Aufprall, Guardeno soll die Fahrzeugfront mit voller Wucht erwischt haben. Die Folge: offene Schädelverletzung, Hirnödem, Kreislauf-Instabilität. Die Ärzte induzierten ein künstliches Koma, um das Gehirn zu schonen.

Caja rural reagiert mit schweigen und vollen kassen

Das ProTeam, Gaststarter bei der Tour de France, veröffentlichte nur ein knappes Statement. „Wir stehen an seiner Seite, Kosten spielen keine Rolle“, heißt es intern. Tatsächlich übernimmt der spanische Radsportverband die ersten 30.000 Euro, danach springt die Teambank ein – eine Kette, die Guardenos Familie finanziell entlastet, aber emotional nicht beruhigt.

Guardeno war auf dem Weg nach oben. Erst am Sonntag fuhr er in der Katalonien-Rundfahrt auf Rang 29, nur 3:17 Minuten hinter Jonas Vingegaard. In der U23-Wertung landete er hinter Lenny Martinez auf dem Podest. „Er wollte in diesem Jahr die WorldTour knacken“, sagt Davíd Gutiérrez, sein Trainer bei Lizarte. „Trainingslager in Sierra Nevada, Alpe d’Huez-Rekognition, alles geplant.“

Die Unfallstatistik des vergangenen Jahres zeigt, warom das peloton zittert: 14 Pro-Radsportler starben weltweit bei Trainingsunfällen mit Kraftfahrzeugen. Spanien führt mit vier Toten die europäische Liste an. Keine getrennten Radwege, Tempo-100 auf Landstraßen, LKW-Fahrer mit Zeitdruck – ein tödliches Mixtape.

Was der fall guardeno den verband kostet – und uns allen

Was der fall guardeno den verband kostet – und uns allen

Die UCI muss am 15. Juni ihre Sicherheitsrichtlinien neu verhandeln. In der Hand liegt ein Papier, das Teams zwingt, für alle Trainingseinheiten Sicherungsfahrzeiten zu stellen – Kostenpunkt 1,2 Millionen Euro pro Saison. Kleine Mannschaften wie Caja Rural drohen das Aus, falls die Regel kommt. Ohne Reform droht weiterer Tod.

In Sabadell sitzt Guardenos Schwester Alba am Bett. Sie postete ein Foto seiner verschrammten Sonnenbrille – letzte Erinnerung an einen Sonntag, an dem er noch lachte. Die Ärzte sprechen von 48 entscheidenden Stunden. Die Rad-Community läuft spontan Solidaritätsrunden: #RodamosPorJaume trendet in Spanien, mehr als 60.000 Räder drehen sich seit Donnerstagmorgen für ihn.

Der Frühling ist da, die Saison beginnt. Aber ein Platz auf der Intensivstation erinnert daran: hinter jedem Star steht ein Mensch, der einfach nur heil nach Hause will. Guardenos Vertrag läuft 2025 aus. Ob er ihn jemals erfüllt, entscheidet sich zwischen den piependen Monitoren eines Krankenhauses, in dem die Stille lauter ist als jeder Schulterschluss des Feldes.