Heimspiel-revival: dhb-damen wollen em-ticket vorzeitig lösen

Heidelberg wird zum Kessel. Drei Monate nach dem Silberrausch von Herning wollen Deutschlands Handballerinnen gegen Slowenien die EM-Qualifikation vorzeitig perfekt machen – und endlich wieder die Show liefern, die sie selbst vermisst haben.

Der sieg war mühsam, das gedächtnis glasklar

Celje war kein Fehlstart, aber ein Warnschuss. 30:23 stand am Ende, doch bis zur Pause lag der WM-Zweite hinten. Zu viele Zeitstrafen, zu viel Gekämpfe, zu wenig Flow. „Die Absprachen liefen nicht smooth“, sagte Emily Vogel, als hätte sie das Spiel auf YouTube analysiert. Die 26-Jährige traf zweimal, wirkte aber selten so frei wie noch im Dezember.

Die Zahlen sprechen trotzdem für sich: 53 Prozent Wurfquote, zwölf Tore aus dem Rückraum, nur drei Gegenstöße zugelassen. Deutschland kontrollierte, ohne zu glänzen. Markus Gaugisch sah „viel Unruhe“, forderte aber keine Revolution. „Wir wollen die nächsten zwei Punkte“, sagte er knapp, als hätte er schon das Viertelfinale gegen Norwegen im Kopf.

Heidelberg soll der funke werden

Heidelberg soll der funke werden

Die SAP Arena ist ausverkauft, 4.800 Stimmen warten auf den ersten Tusch. Für Nina Engel ist das kein Luxus, sondern Notwendigkeit: „Vor heimischer Kulisse ist es deutlich cooler.“ Die 22-Jährige spielte in Celje nur neun Minuten, wird aber am Sonntag von Anfang an auflaufen. Gaugisch rotiert, weil er muss. Xenia Smits und Aimée von Pereira fallen weiter aus, dafür kehren Julia Behnke und Mia Zschocke zurück.

Die Gegnerin ist dieselbe, die Mentalität eine andere. Slowenien kassierte in Celje eine Lehrstunde, wird aber nicht zwei Mal in dieselbe Falle tappen. „Sie werden aggressiver decken, mehr riskieren“, prophezeit Alina Grijseels. Die Rechtsaußen sprach mit dem Selbstbewusstsein einer Frau, die weiß, dass sie selbst die erste Risiko-Option ist. Ihre sieben Treffer in Celje waren Programm, nicht Zufall.

Em-ticket winkt, aber die maschine soll laufen

Em-ticket winkt, aber die maschine soll laufen

Mathematik ist einfach: Ein Sieg mit vier Toren Vorsprung reicht, um sich den letzten Quali-Spieltag zu sparen. Doch das DHB-Team will mehr als Tabellenrechnung. „Wir haben Bock, die nächsten Schritte zu gehen“, sagt Viola Leuchter, Welthandballerin des Jahres 2022. Die 21-Jährige traf in Celje nur einmal, fordert sich selbst heraus: „Ich will die Linie von Herning wiederfinden.“

Die Linie – das ist der perfekte Mix aus Tempo, Mut und Rückraum-Kanonen, der Norwegen und Frankreich in der Skandinavienhalle schwindelig machte. Gaugisch nannte es „Strohfeuer“, doch die Spielerinnen reden lieber von „Feuer, das weiter brennt“. Am Sonntag soll es lodern, nicht glimmen.

Anpfiff ist um 15:30 Uhr, live auf ProSieben MAXX und Dyn. Die Arena wird kochen, die Handball-Welt wird zusehen. Und wenn der Schlusspfiff ertönt, steht Deutschland nicht nur mit einem Bein in der EM, sondern mit beiden wieder auf dem Podest der Gefühle – dort, wo Silber nicht das Ende, sondern der Anfang ist.