Heidenheim-fluch: unions angstgegner hält die köpenicker in schach

Berlin atmet auf – zumindest vorübergehend. Der 1. FC Union Berlin, Champions-League-Kandidat und gefürchteter Gegner für viele Mannschaften, hat erneut eine bittere Lektion erfahren: Gegen den 1. FC Heidenheim scheint es kein Kraut mehr zu sein. Seit über zehn Jahren, genauer gesagt seit dem 17. April 2016, konnte Union keinen einzigen Ligaspielerfolg gegen die Schwaben einfahren. Eine Serie, die Fragen aufwirft und die Nerven der Union-Fans strapaziert.

Die bilanz spricht eine deutliche sprache

Fünf Bundesliga-Begegnungen gab es seit Heidenheims Aufstieg in die höchste Spielklasse im Jahr 2023. Das Ergebnis: Vier Niederlagen und ein Unentschieden für die Berliner. Ein Punkteschnitt von 2,6 für Heidenheim – eine Zahl, die im Kontext einer 34-Spieltage-Saison auf eine beachtliche 88 Punkte und damit auf eine ernstzunehmende Meisterschaftsanwärterschaft hindeuten würde. Eine absurde Vorstellung, wenn man bedenkt, dass Heidenheim am Rande des Abgrunds steht.

Doch die Misere reicht weit über die Bundesliga hinaus. Bereits in der zweiten Liga hatte Union große Probleme, Heidenheim einzubinden. Die Frage, die sich nun zwangsläufig stellt, lautet: Was steckt hinter diesem ungewöhnlichen Kräfteverhältnis? Toni Leistner, einst feste Größe in der Union-Abwehr, blickt mit vollem Haar auf eine Zeit zurück, als Bobby Wood noch die entscheidenden Tore erzielte – ein Zeugnis für die lange Dauer dieser Serie.

Psychologie oder höhenluft?

Psychologie oder höhenluft?

Fußballerisch betrachtet erscheint die Erklärung simpel: Union bevorzugt es, den Gegner ins Spiel kommen zu lassen. Gegen Heidenheim scheitert dieses Konzept jedoch regelmäßig. Obwohl Union formal der Favorit ist und das Spiel machen sollte, geraten sie immer wieder in die Bredouille. Das letzte Heimspiel endete mit einer 1:2-Niederlage nach Führung und zwei späten Gegentreffern – ein bitteres Zeichen dafür, dass die Berliner mehr als nur die Spielgestaltung im Sinn hatten.

Küchenpsychologisch könnte man von einem Teufelskreis sprechen. Wer immer wieder gegen denselben Gegner verliert, verliert möglicherweise den Glauben an eine Siegchance. Und schwächelt dann auch in entscheidenden Momenten. Aber ist das wirklich der alleinige Grund für diese bemerkenswerte Serie? Die Höhenlage könnte ebenfalls eine Rolle spielen. Heidenheims Stadion, die Voith-Arena, liegt auf 555 Metern über dem Meeresspiegel – ein signifikanter Unterschied zu den 34 Metern der Alten Försterei in Berlin. Ist die dünne Luft der Grund für Unions Aussetzer? Die Durchschnittstemperatur in Heidenheim ist zudem mit 8,1 Grad Celsius kälter als in Berlin, was ebenfalls eine Erklärung für die Probleme der Berliner liefern könnte – allerdings nur in Bezug auf die Auswärtsspiele.

Die wahrscheinlichste Erklärung bleibt jedoch der Zufall. Ein Zufall, der kein Gedächtnis besitzt und der somit auch an diesem Wochenende wieder zuschlagen könnte, wenn Heidenheim den 1. FC Union erneut empfängt. Zum Glück für die Union-Fans: In der kommenden Saison wird es voraussichtlich kein direktes Duell mehr zwischen den beiden Mannschaften geben. Ein kleiner Trost in einer ansonsten frustrierenden Situation.