Havertz zurück im dfb-trikot: 492 tage leidenszeit, jetzt jagt er die schweiz
492 Tage hat er auf diesen Moment gewartet. Jetzt steht Kai Havertz wieder auf dem Rasen von Herzogenaurach, das Kapitänstape an der Hand, das Lächeln zurück. „Ich habe die Jungs vermisst“, sagt er, und man hört, dass er es meint. Die Verletzungsmisere ist vorbei, der Arsenal-Star will zurück in die Startelf von Julian Nagelsmann – am Freitag in Basel gegen die Schweiz.
Die hymne als sehnsuchtsort
Seit November 2024 war er außer Gefecht, musste EM-Quali und Nations-League von der Couch verfolgen. „Es war eine sehr schwierige Zeit“, sagt Havertz und wischt sich kurz über die Stirn. Die Worte klingen nicht nach Klischee, sondern nach echter Leere. Wer einmal im Wembley-Tor stand, weiß, was verloren geht, wenn das Stadion plötzlich stumm bleibt. Für ihn war es nicht nur ein Knöchel, es war der Zugang zu dem Ort, an dem er sich am meisten zuhause fühlt: mitten zwischen Schulter an Schulter, da wo 80.000 Menschen die Nationalhymne grölen.
Jetzt meldet sich der 27-Jährige an. „Ich bin topfit“, betont er, doch er lügt nicht: „Man merkt, dass man ein Jahr raus ist.“ Die Muskulatur ist da, die Technik auch, aber das Automatismus-Gehirn braucht Match-Rhythmus. Deshalb will er Freitag von Anfang an spielen – egal ob als falsche Neun, hängende Spitze oder linkes Mittelfeld. „Bei den Positionen bin ich flexibel“, sagt er und klingt dabei wie ein Schüler, der sich für jede Aufgabe meldet, nur damit der Lehrer ihn endlich wieder wählt.

Nagelsmann schweigt – und das ist gut so
Ein Rollengespräch mit dem Bundestrainer steht noch aus. Kein Termin, kein Zettel, keine heimliche Kabinen-Andeutung. Havertz lacht kurz: „Ich sehe mich vor allem auf dem Platz.“ Das klingt nach Selbstvertrauen statt nach Bittsteller. Er weiß, dass Nagelsmann ihn kennt: den Spieler, der 2021 im EM-Achtelfinale gegen England noch als Außenverteidiger durchging, der in der Champions League als Linksverteidiger titulierte und trotzdem traf. Flexibilität ist kein PR-Wort, sondern seine DNA.
In Basel wird er wohl starten. Die Schweiz ist kein Freundschaftsspiel-Gegner mehr, sondern der Nachbar, der Deutschland zuletzt im November 2024 mit 2:0 schickte. Für Havertz ist das keine Revanche, sondern ein Einstieg. Die Uhr tickt: In 90 Tagen beginnt die WM-Qualifikation, 2027 soll das Turnier im eigenen Land steigen. Wer jetzt nicht liefert, fliegt raus aus dem Kader, nicht nur aus der Startelf.
492 Tage hat er gezählt. Jetzt zählt nur noch einer: Freitag, 20.45 Uhr, St. Jakob-Park. Dann will Havertz nicht mehr der Zurückgekehrte sein, sondern der Unverzichtbare. Und wenn die Hymne erklingt, wird er laut mitsingen – als wäre er nie weggewesen.
