Hase/volodin jagen wm-podest – und vielleicht ihre letzten pirouetten
Prag wird zur Bühne, auf der Minerva Hase und Nikita Volodin nicht nur um Edelmetall kämpfen, sondern auch um die Frage: Machen wir weiter oder lassen wir es sein? Dreieinhalb Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Eislauf sind sie angekommen – und gleichzeitig an einem Scheideweg.
Das olympische bronze wirkt wie ein freifahrtschein
Mailand war der Höhepunkt, Prag ist der Ausklang. „Nach Olympia ist viel Druck abgefallen“, sagt Hase. Die 26-Jährige klingt, als hätte sie endlich Luft geholt. Kein Zielpodium, kein Zielpunkte, nur noch einmal zwei saubere Programme. Das klingt bescheiden, ist aber taktisch richtig: Wer nichts zu verlieren hat, kann nur gewinnen.
Die Konkurrenz schrumpft. Die japanischen Olympiasieger Miura/Kihara bleiben zu Hause, die italienischen Vizeweltmeister Conti/Macii ebenfalls. Ein Machtvakuum, das deutsche Augen aufleuchten lässt. Sportdirektor Jens ter Laak rechnet offen mit „einem der Medaillenränge“. Die Chance: riesig. Das Risiko: ein Sturz ins Leere.

Berlin steht auf der kippe – und mit ihm die zukunft
Doch hinter den Pirouetten lauert der Bürokratie-Schwung. Der Bundesstützpunkt Berlin ist nicht gesichert. „Unser Lebensmittelpunkt steht auf der Kippe“, sagt Hase. Ohne strukturierte Trainingsbedingungen wird aus Liebe schnell Frust. Ter Laak will Berlin für den Zyklus 2027-2030 beantragen, doch das letzte Wort hat der Innenminister. Ende Dezember soll das Urteil fallen – danach entscheiden sich Hase und Volodin.
Sie sind keine 20 mehr. Im Paarlaufen zählt Erfahrung, aber auch die Frage: Lohnt sich der nächste Olympiazyklus? „Wir setzen uns nach der WM zusammen“, sagt Hase. Kein Ultimatum, nur ein offenes Ende. Das ist ehrlicher als jedes Medienversprechen.
Prag bietet also zwei Finals: das sportliche auf dem Eis – und das persönliche hinter den Kulissen. Die Kür am Donnerstag könnte ihr letzter gemeinsamer Tanz sein. Oder der Auftakt zu einem Kapitel, das erst beginnt. Die Scheibe unter ihren Kufen wird es zeigen. Und danach die Entscheidung, ob die Musik erneut aufsetzt oder für immer verstummt.
