Hase/volodin jagen wm-gold: 0,33 punkte vorsprung, prag kocht

0,33 Punkte. So dünn ist der Atemzug, der Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin von der ersten deutschen WM-Gold-Krone im Eiskunstlauf seit 2021 trennt. Nach dem Kurzprogramm liegen sie mit 79,78 Zählern vor Metelkina/Berulawa (79,45), der Arena brodelte, als das Berliner Tango-Programm in die Tricklicht-Kulisse der O2 Arena schlug.

Die rechnung der deutschen eislauf-union geht auf

Die DEU hatte die Saison auf genau diesen Moment zugespitzt: Olympia-Patin Hase sollte die Kürfehler von Mailand austreiben, Vierfachspringer Genrikh Gartung (18) sein Debüt geben, und Janse van Rensburg/Steffan die Eistanz-Enttäuschung wettmachen. Die Strategie funktioniert – zumindest bislang. Denn wer die Tango-Choreografie der Berliner gesehen hat, spürt: Dieses Mal sind sie nicht nur technisch sauber, sondern kalt. Kein Muskel zuckte, als Volodin seine Partnerin in den Stem auf Höhe der Bande schleuderte.

Die Konkurrenz schlägt zurück. Kanadas Lia Pereira/Trennt Michaud (75,52) liegen zwar drei Punkte zurück, haben aber in der Kür die höchsten Basiswerte. Und Georgia? Metelkina/Berulawa haben in diesem Winter jeden Grand-Prix-Titel eingesackt – außer eben die Spiele. Die Niederlage in Mailand brennt. „Wir wollen Revanche“, sagte Metelkina knapp nach dem Kurzprogramm. Keine großen Worte, nur eine Ansage.

Annika hocke trägt den sturz wie eine tattoo-narbe

Annika hocke trägt den sturz wie eine tattoo-narbe

Zehnter Rang, 65,35 Punkte, ein Salchow, der im Flug abrutschte. „Ich spürte schon beim Absprung, dass das nix wird“, sagte Hocke. Die 24-Jährige sprach nicht von Pech, sondern von „vier Punkten, die fehlen und die wir uns selbst klauen ließen“. Coach Rudi Swiegel schüttelte nur den Kopf: „Wir hatten die Top-Achtzig in Reichweite.“ Jetzt heißt es für das zweite deutsche Paar: kleine Rolle, große Lehre.

Die Kür heute (18.15 Uhr, Eurosport & sportstudio.de) wird zur offenen Rechnung. Hase/Volodin haben die Psyche auf ihrem Seitenarm: In Mailand führten sie nach dem Kurzen, verloren aber 7,5 Punkte in der Kür. Diesmal haben sie nichts zu verschenken. Die Trainerriege um Swiegel und Stéphane Lambiel hat die Choreo um zwei Sekunden verkürzt, das Twizzle-Element auf Level 4 hochgestuft. Kleine Schrauben, große Wirkung.

Prag wird zur schicksalsarena

Prag wird zur schicksalsarena

Während die Eistanz-Paare ab Freitag die Olympia-Blues ablegen wollen, steht Gartung bereits am Vormittag auf dem Eis. Der jüngste Teilnehmer des Feldes springt als erster Deutscher seit 2022 wieder bei einer WM. Sein Vorteil: kein Ballast, keine Vergleichszahlen. „Ich bin das unbekannte Paket“, lacht der Sachse. Die DEU hofft auf Platz 15, er selbst schielt heimlich auf die Top-12. Denn dort beginnt nächstes Jahr die Ticket-Zone für die Heim-WM in Dresden.

Die Arena wird bis 20.000 Zuschauer fassen, Tschechien feiert sein größtes Eiskunst-Spektakel seit 1962. Und mitten drin die deutsche Hoffnung: ein Tango, ein Sturz, ein Teenager. Die Medaille ist greifbar. Die Nerven liegen blank. Wer am Ende den Daumen auf der Goldmedaille spürt, entscheidet sich in 4 Minuten und 30 Sekunden Eiszeit – und in 0,33 Punkten Differenz.