Handball-marketing: warum sehen unsere klubs aus wie in der steinzeit?

Christian Seifert, der Mann hinter Dyn, hat es auf den Punkt gebracht: Lieber einen zusätzlichen Marketing-Experten einstellen, als einen weiteren Kaderspieler. Ein Appell, der in der Handball-Bundesliga dringend nötig scheint, denn viele Klubs agieren da noch im Marketing-Mittelalter. Nils Kretschmer schärft den Blick und zeigt, wo es massive Nachholbedarf gibt.

Die getec arena im grauen licht

Nehmen wir als Beispiel das Video zur Verpflichtung von Dominik Kuzmanovic beim SC Magdeburg. Was da präsentiert wird, ist – gelinde gesagt – suboptimal. Ein verregneter Tag, ein Schild, das mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert, und ein Spieler, dessen Gesicht man erst am Ende des Videos sieht. Das ist nicht nur wenig inspirierend, sondern verpasst eine riesige Chance, den Spieler und den Verein optimal zu präsentieren.

Was wäre gewesen, wenn.? Stattdessen hätte man Kuzmanovic in der beeindruckenden Arena selbst filmen können, in seinem „neuen Wohnzimmer“, wie er es selbst nannte. Eine kurze Szene in der Kabine, der Ball, der am Tor vorbeifliegt, ein paar Nahaufnahmen von Schuhen und Trikot – und dann, trara, der Neuzugang im Rampenlicht. Das hätte eine Geschichte erzählt, eine Emotionen geweckt. So ist es ein unfertiges Produkt, das kaum Aufmerksamkeit erregt.

Mehr als nur ein foto mit plauze

Mehr als nur ein foto mit plauze

Das Problem ist größer als nur dieses eine Video. Viele Handball-Klubs veröffentlichen immer wieder fragwürdige Bilder ihrer Spieler, beispielsweise Porträts mit hervortretender Plauze. Das mag zwar lustig sein, aber es vermittelt ein völlig falsches Bild von der Professionalität des Handballs. Es wirkt amateurhaft und schreckt junge Menschen ab, die vielleicht Interesse an der Sportart hätten.

Die Rechnung ist einfach: Mehr junge Menschen, mehr Zuschauer, mehr Idole – mehr Geld. Und genau hier liegt das Potenzial, das derzeit verschwendet wird. Die Klubs müssen verstehen, dass Social Media kein Selbstzweck ist, sondern ein mächtiges Werkzeug, um ihre Marke zu stärken und neue Fans zu gewinnen.

Die lösung: profis statt dilettanten

Die lösung: profis statt dilettanten

Christian Seiferts Vorschlag ist so simpel wie wichtig: Investiert in Marketing-Experten. Es ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Klubs wie der SC Magdeburg haben die finanziellen Mittel, um qualifizierte Mitarbeiter einzustellen oder zumindest freie Mitarbeiter zu beauftragen, die wissen, wie man überzeugende Videos und Bilder produziert. So könnte man eine Win-Win-Situation schaffen: Der Verein erhält professionelles Marketingmaterial, und der Filmer bekommt eine großartige Referenz.

Auch die Spieler selbst müssen ihren Teil dazu beitragen. Schließlich nutzen fast alle Handball-Profis inzwischen Social Media. Hier liegt eine enorme Chance, die eigenen Stars in Szene zu setzen und sie zu Botschaftern für den Handball zu machen.

Frank Bohmann, der Bundesliga-Chef, hat das Final4 in Köln zum „Super Bowl des Handballs“ erklärt. Das ist ein ambitioniertes Ziel. Aber wenn die Klubs nicht bereit sind, in professionelles Marketing zu investieren, wird dieser Traum nicht wahr werden. Es geht nicht nur darum, eine coole Halbzeitshow zu präsentieren, sondern auch darum, die Veranstaltung über Social Media optimal zu bewerben und die Fans zu begeistern. Denn am Ende entscheidet nicht nur das Spiel, sondern auch die Art und Weise, wie es präsentiert wird.