Handball-bundesliga: abstiegskampf dramatischer als meisterschaft!

Die Handball-Bundesliga erlebt den packendsten Kampf um den Klassenerhalt seit Jahren. Während die Meisterschaftsrufe leiser werden, tobt am Tabellenende ein Nervenkrimi, der die Fans in Atem hält. Vier Teams – Bergischer HC, HSG Wetzlar, GWD Minden und SC DHfK Leipzig – liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Verbleib in der Liga. Nur zwei werden sich durchsetzen.

Die ausgangslage: vier punkte, vier teams, unendliche möglichkeiten

Der Abstand zwischen den Vier beträgt lediglich vier Punkte, was die Situation umso explosiver macht. Der vergangene Spieltag zeigte bereits, wie eng es ist: Leipzig setzte sich gegen Erlangen knapp durch (30:29), Minden triumphierte in Lemgo (32:28), Wetzlar überraschte mit einem Sieg gegen Kiel (33:25) und der BHC bezwang Hannover (30:29). „Es ist so spannend wie lange nicht“, kommentiert Handball-Experte Uwe Jungandreas.

Jungandreas, der selbst die Höhen und Tiefen des Handballsports kennt, weiß, worüber er spricht. „Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren.“ Ein starker Kopf ist im Abstiegskampf entscheidend, und gerade hier scheinen einige Teams zu hadern.

Der Bergische HC, der im Pokal-Final4 in Köln noch für Furore sorgte, geriet durch die darauffolgende Niederlage in Wetzlar (29:33) ins Wanken. Kapitän und Torwart Christopher Rudeck betonte zwar die Wichtigkeit der Liga, doch die Taten sprachen eine andere Sprache.

Tradition und millionen: wetzlar und leipzig unter druck

Tradition und millionen: wetzlar und leipzig unter druck

Die HSG Wetzlar, seit 1999 ununterbrochen erstklassig, steht vor dem Aus. Jungandreas sieht hier einen klaren Grund: „Seitdem Kai Wandschneider weg ist, ist ein steter Abwärtstrend zu sehen.“ Der erfahrene Trainer führte das Team von 2012 bis 2021 zum Erfolg. Sein Nachfolger ist bereits der sechste Trainer seit seinem Abschied.

Noch brisanter ist die Lage des SC DHfK Leipzig. Trotz eines Etats von über acht Millionen Euro kämpft der Verein seit Saisonbeginn im Tabellenkeller. „Schon überraschend angesichts der Möglichkeiten, die sie zur Verfügung haben“, so Jungandreas. Obwohl der Verein mit erfahrenen Spielern wie Dean Bombac und Franz Semper punktet, scheint das Geld nicht alles zu sein. Bombac hat seinen Vertrag zwar bis 2027 verlängert, Semper bis 2030 – unabhängig von der Liga – doch die Ergebnisse fehlen.

Minden und erlangen: hoffnung und realität

Minden und erlangen: hoffnung und realität

Auch GWD Minden steckt tief im Abstiegskampf. Der Verein hatte seit dem 10. Dezember 2022 kein einziges Spiel mehr gewonnen. Die lange erwartete Rückkehr in die sanierte Kampa Halle brachte ebenfalls keine Wende. Torwart Malte Semisch räumte ein, dass die lange Durststrecke auch die Mannschaft psychisch belastet. Die Verpflichtung des U21-Weltmeisters Mika Sajenev könnte jedoch frischen Wind bringen, auch wenn Jungandreas hier wenig Hoffnung sieht.

Selbst der Fünftletzte, Erlangen, ist noch nicht gerettet und muss gegen Wetzlar und den Bergischen HC antreten. Trainer Johannes Sellin hofft auf ein paar zusätzliche Punkte, um „die komplette Ruhe“ zu haben.

Vier Spieltage sind noch zu gehen. Der Nervenkrieg um den Klassenerhalt wird bis zum Schluss spannend bleiben. Die Entscheidung wird nicht am grünen Rasen, sondern im Kopf der Spieler fallen – und dort, so scheint es, hat der Abstiegskampf bereits tiefe Spuren hinterlassen.