Hamiltons ferrari-traum lebt: dna statt drama
Sieben Monate lang träumte er leise. Jetzt schreit Lewis Hamilton wieder laut. „Mein Ziel war der Titel mit Ferrari – und das ist immer noch mein Ziel“, sagt der 41-Jährige der Corriere della Sera. Der neue SF-26 liege ihm wie maßgeschneidert. „Diesmal steckt auch ein Stück meiner DNA darin.“
Kindheitsglück statt katastrophe
2025 endete mit Platz sechs und einem bitteren Nachgeschmack. Die Ingenieure schrieben das Debakel auf Setup-Experimente, Hamilton auf fehlende Chemie. „Letztes Jahr war das Auto ein Fremdkörper“, erinnert er sich. „Heute fühle ich mich wie ein Kind, das gerade seinen Geburtstagswagen auspackt.“ Die Rede ist von 15 Kilogramm weniger Ballast, einer um 0,3 Sekunden schnelleren Kurvenbalance und einem Frontflügel, der endlich seine aggressive Spitzeneinlenkung erlaubt.
Die Zahlen aus den Wintertests bestätigen den Schwarm: In den Longruns auf dem Mittelcompound lag Ferrari 0,28 Sekunden vor McLaren und nur 0,09 hinter Red Bull. Die Mechanik verbaute inzwischen 78 % der Bauteile neu, darunter ein Getriebe, das die Motordrehmomente 0,4 Sekunden schneller an die Hinterräder schickt. „Wir haben nicht optimiert, wir haben umgebaut“, sagt Technikchef Enrico Cardile. Die Tifosi spüren es: Die Warteschlange für Tickets in Melbourne ist länger als seit 2019 nicht mehr.

Norris kennt die verfolgung
Lando Norris baut keine Luftschlösser. Der amtierende Champion wartet mit einem Trick auf: McLaren bringt ein Upgrade-Paket, das erst beim dritten Rennen in Bahrain montiert wird. „Wir wollen nicht zu früh pokern“, sagt Teamchef Andrea Stella. Hamilton hingegen will sofort angreifen. „Ich gehe besser vorbereitet in diese Saison als jemals zuvor“, betont er. Seine Fitness-Mannschaft verlangte 47 Runden auf dem Skiroller bei minus neun Grad, sein Neurologe maß eine Reaktionszeit von 0,151 Sekunden – zwei Hundertstel besser als 2025.
Die Uhr tickt. Seit 2007 wartet Maranello auf einen Fahrertitel, seit 2008 auf den Konstrukteurskranz. Hamiltons Vertrag läuft 2026 aus. „Ich habe keine zehn Jahre mehr“, gibt er zu. „Aber ich habe heute.“
Am Sonntag um 05.00 Uhr deutscher Zeit steht er erstmals mit Startnummer 44 auf dem Grid in Melbourne. Die Reifen sind kalt, die Nerven glühen. Und wenn er in der letzten Runde die Ziellinie überquert, wird ein einziger Satz durchs Kurierecho gehen: „Diesmal ist es mein Ferrari.“
