Hamburg schreibt olympia-geschichte neu: 4,8 mrd. für spiele ohne elfenbeinturm

Hamburg will Olympia zurück auf die Straße bringen. Statt Marmorpaläste plant der Senat ein grünes Band quer durch die Stadt, dazu 1 Million Tickets zum Discountpreis – und ein kostenloses Kontingent für Hartz-IV-Empfänger. Die Kampfansage an München, Berlin und NRW: 2036, 2040 oder 2044 werden die Spiele hier zur Volksfeier.

Die arena für alle beginnt am heiligengeistfeld

Der „Olympic Park City“ verdrängt die Elbphilharmonie als Wahrzeichen. Zwischen Binnenalster und dem künftigen Stadtteil Science City Bahrenfeld entsteht ein Campus, der nach den Spielen weiterlebt: Studenten statt IOC-Delegationen. Im Westen krempelt der Volkspark Hüll die HSV-Arena um, nebenan wächst das Olympische Dorf. Kein Klotz am Stadtrand, sondern ein Quartier, das schon heute Mietwohnungen verspricht.

Die Rechnung: 4,8 Milliarden Euro, versiegelt durch Bürgerentscheid Ende Mai. Keine Zahl, die schwindelt – London 2012 kostete das Doppelte. Der Trick: 80 Prozent der Sportstätten stehen schon. Das alte Radrennstadion kriegt ein Dach, die Elbe wird Regattastrecke. Kein Neubau, nur Upgrades.

Andy Grote, Innensenator und Sportsachverstand, nennt das „Spurwechsel statt Spatenstich“. Die Bürger hätten im Beteiligungsverfahren drei Wünsche geäußert: keine Milliardengräber, keine Tickets für Manager, keine Autos vor den Arenen. Alles im finalen Papier. Wer sich ehrenamtlich engagiert, bekommt freien Eintritt. Kinder aus einkommensschwachen Familien rutschen über Sozialticket-Listen direkt auf die Tribüne.

Grün statt beton: das olympische band durch hamburgs herz

Grün statt beton: das olympische band durch hamburgs herz

Katharina Fegebank, zweite Bürgermeisterin und Grüne, wirbt mit einem Bild, das IOC-Präsident Thomas Bach nicht mal googeln kann: ein durchgehender Park von der Alster bis zur Dove-Elbe. Flächen werden entsiegelt, Altbaustraßen begrünt, Radwege gebündelt. Das klingt nach Gartenmesse, ist aber Machtpolitik. Ohne grüne Mehrheit im Senat wäre das Projekt bereits im Frühjahr gestorben.

Die Zeit spielt mit. Der Deutsche Olympische Sportbund will bis Herbst 2026 wissen, wer antritt. München hat schon Ja gesagt, Berlin tüftelt, NRW plant ein Drei-Städte-Bündel. Hamburg liefert das erste Konzept, das sich nicht an Glamour, sondern an Nachnutzung misst. Steffen Rülke, Ex-Handball-Profi und Chef der Bewerbung, sagt: „Wir wollen die Spiele, die danach weiterlaufen.“

Die Gegner werden laut werden: zu teuer, zu groß, zu grün. Doch die Stadt hat 2015 schon einmal Nein gesagt – per Volksentscheid. Diesmal liegt das Papier früher auf dem Tisch, die Debatte wird offener geführt. Und wenn die Mehrheit im Mai zustimmt, rollt Hamburg den Rasen für eine Party aus, die länger dauert als 17 Tage.

Die Botschaft ist klar: Olympia kann mehr sein als ein Fest der Sponsoren. Hamburg setzt auf Nachhaltigkeit statt Neidgeschrei. Ob das reicht, wird sich zeigen. Aber wer 2036 durch den Volkspark joggt, wird auf Spuren von Weltrekorden treffen – und auf Bürger, die sich die Spiele selbst gegönnt haben.