Hamanns überraschende kehrtwende: brandt wird doch noch gerühmt!
Dortmund – Lange Zeit galt Dietmar Hamann als einer der schärfsten Kritiker von Julian Brandt. Doch nun, kurz vor dessen Abschied vom BVB, präsentiert sich der ehemalige Nationalspieler von einer überraschend nachsichtigen Seite. Eine seltene Geste der Selbstkritik und Anerkennung, die im Fußballgeschäft kaum zu finden ist.
Brandts rolle im dortmunder dilemma
Sieben Jahre lang trug Julian Brandt das Trikot von Borussia Dortmund. Sieben Jahre, in denen sein Spiel oft auf der Stelle getreten zu haben schien, und in denen er immer wieder als Sündenbock für Misserfolge gehandelt wurde. Hamann, der sich nie um diplomatische Formulierungen scherte, mischte regelmäßig mit scharfer Kritik. „Ich habe ihn schon das eine oder andere Mal kritisiert“, räumte der Sky-Experte nun ein, „vielleicht ist er sinnbildlich für die Frage gewesen: Machen die Dortmunder genug für den Erfolg?“
Es war ein Stich ins offene Herz, eine Analyse, die die Frage aufwarf, ob Brandt nicht zu oft die Schuld für kollektive Versäumnisse tragen musste. Hamann sprach von einer Überlastung, von der Erwartungshaltung, die Brandt immer wieder ausgeliefert war. „Wenn es nicht läuft, ist der Brandt schuld“, so Hamann – eine bittere Feststellung, die nun im Nachhinein mit Bedauern betrachtet wird.

Streichs lob und brandts zukunftspläne
Auch Christian Streich, der langjährige Coach des SC Freiburg, schloss sich der Würdigung an. Er erinnerte an frühere Kritikpunkte, gestand aber, dass er selbst einst Zweifel an Brandts Entwicklung geäußert hatte. „Er wurde oft kritisiert, aber ich habe, als er jünger war, mir innerlich auch häufig gedacht, dass ein paar Schritte mehr möglich wären“, so Streich. „Nach Dortmund habe ich total gute Entwicklungen gesehen.“
Der 29-jährige Brandt selbst hält sich mit klaren Aussagen zu seiner Zukunft zurück. Nach der 0:1-Niederlage gegen Bayer Leverkusen ließ er die Spekulationen über einen Wechsel ins Ausland beflügeln. „Es gibt viele Ideen. Nicht jede Idee ist gut“, so Brandt, der betonte, dass er die Entscheidung nicht überstürzen werde. Ein Verbleib in der Bundesliga scheint zwar möglich, doch Brandt deutete an, dass er auch offen für neue Herausforderungen jenseits der deutschen Grenzen sei.
Obwohl die Zeit zum Abschied noch nicht gekommen ist, spürt Brandt bereits die Wehmut. „Am Ende geht alles im Leben irgendwann mal zu Ende“, sagte er mit einem Hauch von Melancholie. „Ich glaube schon, dass es noch mal ein bisschen Gänsehaut geben wird, wenn es das letzte Mal ist.“
Denn eines ist klar: Julian Brandt verlässt Borussia Dortmund als Spieler, der mehr Respekt verdient, als er in den vergangenen Jahren erhalten hat. Und Dietmar Hamanns seltene Einsicht ist ein Beweis dafür, dass selbst hartgesottene Kritiker zu neuen Erkenntnissen gelangen können – gerade dann, wenn ein Kapitel abgeschlossen wird.
