Hamann attackiert nagelsmann: „stiller muss dabei sein – diese begründung zählt nicht“
Dietmar Hamann legt nach. Kaum hat Julian Nagelsmann seinen 26-Mann-Kader für die Testspiele gegen die Schweiz und Ghana veröffentlicht, zieht der Sky-Experten das nächste Fass auf. Diesmal trifft es Angelo Stiller. Der VfB-Regisseur bleibt zu Hause – und das versteht Hamann nicht.
„In meinem Kader steht er seit Wochen fix“, sagt der 52-Jährige mit jener Mischung aus Kopfschütteln und leiser Wut, die seine TV-Auftritte seit Jahren so unterhaltsam macht. „Stiller ist der Stratege, den das DFB-Team braucht. Technisch sauber, kopfballstark, spielt diagonal wie ein Großmeister. Wenn man in Amerika bei 35 °C spielt, will man Spieler, die das Tempo denken, nicht nur rennen.“
Pascal groß statt stiller – ein vergleich, der bei hamann brennt
Nagelsmann setzt auf Pascal Groß. Der Brighton-Profi ist erfahren, läuft viel, schaltet schnell um. Doch Hamann sieht den Haken: „Groß ist 33, spielt in einer Liga, die momentan mehr Lauf- als Kombinationsfußball lebt. Stiller dagegen hat in Stuttgart 2 300 Minuten gespielt, fast jeden Zweikampf gewonnen und die meisten Pässe in die letzte Reihe geschlagen. Die Zahl lautet 67 Prozent Vorwärtsquote – das ist Bayern-Niveau.“
Die Entscheidung wirft ein Schlaglicht auf Nagelsmanns Rekrutierungslogik. Nach der EM will der Bundestrainer „Profiling“ betreiben, also jedem Akteur eine klare Rolle zuweisen. Stiller passt laut Hamann perfekt ins Raster des tiefgestaffelten Sechser, der das Spiel löst, statt nur zu zerstören. „Aber offenbar zählt die Leistung nur, wenn sie mit Premier-League-Logo versehen ist“, spitzt er zu.

Sané-nominierung setzt dem frust die krone auf
Noch absurter erscheint Hamann die Berufung von Leroy Sané. Der Flügelspieler wechselte im Sommer zu Galatasaray, saß zuletzt gegen Liverpool durch, kam in der 78. Minute. „Da sagt der Bundestrainer selbst, die türkische Liga liege ein Stück unter der Bundesliga – und nominiert trotzdem einen Mann, der gerade mal 120 Minuten seit Februar gespielt hat. Das ist wie ein Fitnessstudio, das Coke als Werbetrinken wählt.“
Hamann hätte lieber Karim Adeyemi, El Mala oder Maximilian Beier gesehen. „Adeyemi zieht in der K.-o.-Phase der Champions League Gegner aus dem Sockel, El Mala trifft für Bremen in fast jedem zweiten Spiel, Beier läuft die Gegner in der Breite tot. Alle drei haben Nachhaltigkeit. Bei Sané frage ich mich: Was genau soll das Signal sein?“
Das Signal ist laut Hamann ein falsches. „Wenn wir 2026 in den USA ernsthaften Fußball spielen wollen, müssen wir aufhören, Namen statt Form zu berücksichtigen. Stiller steht für die neue deutsche Mittelfeld-DNA: robust, spielintelligent, laufstark. Wenn er jetzt nicht dabei ist, wann dann?“
Für Nagelsmann beginnt der Countdown. Die Testspiele sind das letzte Probebohren vor der WM-Quali. Verliert das DFB-Team die eigene Glaubwürdigkeit, wird Hamanns nächste Attacke nur noch lauter. Und Angelo Stiller? Der schraubt weiter an der eigenen Statistik – in Stuttgart, nicht im US-Tropen-Camp. Die Zahlen sprechen für ihn. Die Entscheidung spricht gegen Nagelsmann.
