Hackl: „deutschland verwaltet den untergang“ – der legendäre rodler spricht offen

Georg Hackl, der dreifache Olympiasieger im Rodelsport, schießt mit harter Kritik gegen den Umgang mit der zerstörten Rodelbahn am Königssee. Während andere Nationen nach Hochwasserschäden in Wochen wieder auf Kurs sind, verzögert sich der Wiederaufbau in Deutschland seit fünf Jahren. Ein Desaster für den Nachwuchs und ein Spiegelbild eines tieferliegenden Problems, so der frühere Superstar.

Der junge aus berchtesgaden: ein leben für den schlitten

Es begann mit einem geliehenen Schlitten und der Initiative seiner Mutter Annemarie. Als die Familie sich eine teure alpine Ausrüstung nicht leisten konnte, schickte sie den jungen „Schorsch“ nach Berchtesgaden, wo er das Rodeln erlernte. Schon früh wurde die Bahn am Königssee zu Hackls sportlichem Zuhause, und die Leidenschaft für den Rodelsport entfachte sich in ihm. Es folgten eine beispiellose Karriere, geprägt von drei olympischen Goldmedaillen – ein Hattrick, der im Rodelsport seinesgleichen sucht.

Doch Hackl kämpfte stets gegen Widrigkeiten. Mit seinen 1,72 Metern und 76 Kilogramm war er kleiner als die Konkurrenz, und seine kürzeren Arme stellten biomechanisch einen Nachteil dar. Um dies auszugleichen, setzte er auf sein Fahrkönnen und trug stets einen Bleigürtel, um sein Gewicht auszugleichen – eine zusätzliche Belastung beim Start. Seine Kollegen nannten ihn treffend „Besessenen“, „Grantler“ und „Tüftler“ – Eigenschaften, die ihm laut Hackl zum Erfolg verhalfen.

Eigenbau und perfektionismus: der „eis-ferrari“

Eigenbau und perfektionismus: der „eis-ferrari“

Hackl war nicht nur ein außergewöhnlicher Fahrer, sondern auch ein begnadeter Tüftler. Er absolvierte eine Lehre zum Schlosser und baute seinen eigenen Schlitten, den er liebevoll „Eis-Ferrari“ nannte. Ein Sportgerät aus Glasfaser, Kunstharz, Holz und Stahl, entstanden in 180 Arbeitsstunden. Schon als Schüler nahm er Schleifpapier mit, um die Kufen zu optimieren – ein erster Beweis für seinen unbändigen Perfektionismus. Dieser Perfektionismus zog sich durch seine gesamte Karriere, von der Analyse der Fahrtechnik bis zur Optimierung des Materials.

„Bei uns brauchst du viermal Perfektion“, betonte Hackl immer wieder. Im Gegensatz zum Weitsprung, wo der beste von sechs Versuchen zählt, sind im Rodelsport alle vier Durchläufe entscheidend. Diese Anforderung trieb ihn und seine Konkurrenten wie Jens Müller zu Höchstleistungen an. Die Rivalität mit Müller, insbesondere bei den Olympischen Spielen in Calgary 1988, war legendär. Hackl gewann damals Silber, nachdem er im letzten Lauf noch von Platz vier auf den zweiten Rang vorrückte.

Ein vermächtnis und eine bittere erkenntnis

Ein vermächtnis und eine bittere erkenntnis

Nach der deutschen Wiedervereinigung dominierte Hackl das Rodeln im Folgejahrzehnt, angefeuert durch die interne Konkurrenz. Seine Erfolge gipfelten in drei olympischen Goldmedaillen und zehn Weltmeistertiteln. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Hackl dem Rodelsport verbunden, unter anderem als Trainer für die „Trainingsgruppe Sonnenschein“.

Doch die aktuelle Situation am Königssee erfüllt ihn mit Enttäuschung. „Das ist ein Trauerspiel und unendlich peinlich für Deutschland“, sagt Hackl offen. Die Verzögerung beim Wiederaufbau der Rodelbahn ist für ihn ein Zeichen für ein tieferliegendes Problem: „Deutschland ist irgendwann total falsch abgebogen. Wir leben jetzt in einer Gesellschaft, die den Untergang verwaltet.“ Die Folgen sind verheerend für den Nachwuchs, der ohne die Möglichkeit, am Königssee zu trainieren, langfristig benachteiligt wird.

Ein Zustand, den Hackl mit Bitterkeit kommentiert: „Du engagierst dich und wirst komplett verarscht.“ Sein Vermächtnis als einer der größten Rodler aller Zeiten steht im krassen Gegensatz zu dem, was er heute erlebt – ein Zustand, der ihn zutiefst frustriert und die Zukunft des deutschen Rodelsports gefährdet.