Gwinn zündet den turbo: bayern will manchester im rückspur pulverisieren

Alles steht auf Kippe, doch der FC Bayern Frauen hat das Heft fest in der Hand. Nach dem 3:2 im Old Trafford geht’s für Giulia Gwinn & Co. um den Einzug ins Champions-League-Halbfinale – etwas, das der Rekordmeister seit 2021 nicht mehr geschafft hat.

Gwinn: „wir sind hungriger als je zuvor“

Die 26-jährige Rechtsverteidigerin brennt. Sie spricht nicht von Glück, sie spricht von Reife. Sieben Jahre trägt sie das Rot-Weiß, sie hat alle nationalen Titel gesammelt, jetzt will sie den internationalen Maklerstempel. „Wir haben gelernt, nicht nur Druck zu ertragen, sondern ihn zu lieben“, sagt sie vor dem Abpfiff in der Allianz Arena. 20.000 Fans werden erwartet – ein Rekord für ein Frauen-Spiel im Münchner Stadion. Gwinn lacht kurz: „Die werden uns über die 90 Minuten tragen, mehr brauchen wir nicht.“

Die Zahlen sprechen für sie: 14 Siege in den letzten 15 Pflichtspielen, 49 Tore in dieser CL-Saison. Doch Zahlen interessieren Gwinn nur am Rande. Sie redet von Details. Von der zweiten Ballkette gegen die starken Flügel von United. Von der Umstellung im Mittelfeld, die Trainerin Alexandra Strausnach dem Hinspiel eingeschärft hat. „Wir haben gesehen, wie schnell sie umschalten. Einen Moment nicht ganz wach und du liegst hinten“, warnt Gwinn.

Die personelle Lage ist komfortabel. Nur Lineth Beerensteyn und Julia Zigiotti Olme fallen länger aus. Die Rotation vom Wochenende – sieben Wechsel nach dem 2:0 gegen Nürnberg – war kein Luxus, sondern Kalkül. „Wir sind fit, wir sind frisch, wir sind bereit“, sagt Gwinn und klingt dabei wie eine Kapitänin, auch wenn sie das Bändchen offiziell nicht trägt.

Die arena wird kochen – und das team auch

Die arena wird kochen – und das team auch

Ein kleines Detail verrät die innere Spannung: Gwinn hat vor jedem Heimspiel ein Ritual. Sie berührt das Torpfosten-Polster, schließt drei Sekunden die Augen, atmet durch. „Das ist mein Moment der Stille, bevor der Sturm losbricht“, sagt sie. Gegen Manchester wird dieser Sturm nötig sein. Die Engländerinnen haben im Hinspiel bewiesen, dass sie in der Lage sind, die Bayern-Defensive zu destabilisieren – vor allem durch Alessia Russo und Ella Toone.

Die Frage ist nicht, ob die Bayern gewinnen können. Die Frage ist, ob sie die Nerven behalten, wenn Old Traffords Geisterspannung mit in München reist. Gwinn nickt: „Wir haben Respekt, aber keine Furcht. Das ist ein Unterschied, den wir uns hart erarbeitet haben.“

Anpfiff ist um 18.45 Uhr, übertragen auf Disney+. Wer denkt, das sei nur ein Viertelfinale, hat Gwinn nicht zugehört. Für sie ist es der nächste Schritt auf dem Weg zu dem, was sie als „Bayern-DNA international“ bezeichnet. Ein Begriff, den sie sich in sieben Jahren selbst erfunden hat.

Am Ende bleibt ein Satz hängen, den sie halblaut in den Katakomben sagt, als die Kameras schon abgeschaltet sind: „Wenn wir heute gewinnen, schreiben wir Geschichte. Und ich will meinen Namen in dieser Geschichte lesen.“