Guzzantis grüne vulvia kehrt zurück – rai 3 mischt wissenschaft mit irrwitziger satire
Heute Nacht, 21.20 Uhr, schlägt Corrado Guzzanti wieder zu – und zwar mit grünem Haar, Öko-Pathos und dem schrägsten Late-Night-Format Italiens. Sein Rieducational Channel, jene parodistische Erfindung der Blondine Vulvia, die sich als Retterin des Planeten inszeniert, ist nur ein Teil der zweiten Folge von La pelle del mondo. Die Sendung, die letzte Woche bereits 661.000 Zuschauer*innen (3,9 %) anlockte, wirft eine Frage auf: Kann Satire die Klimakrise lösen?
Botanik trifft boulevard – das experiment geht weiter
Moderator Stefano Mancuso, Pionier der Pflanzenneurobiologie, und Lillo Petrolo, sonst eher für Sketch-Comedy bekannt, führen durch die Nacht. Thema der Stunde: Heilpflanzen. Von Aloe bis Zypresse – alles dabei, was die Menschheit jahrtausendelang vor Aspirin schützte. Gästelisten-Highlights: Historiker Alessandro Barbero, Virologin Ilaria Capua und Negramaro-Frontmann Giuliano Sangiorgi, der sich als leidenschaftlicher Gärtner outete.
Doch der Clou ist das Format. Zwischen Labor und Laientalk schiebt Guzzanti seine Fake-Eco-Show, in der Vulvia Follower dazu aufruft, „das Universum zu entgiften, indem man dreimal täglich Baumrinde kaut“. Maccio Capatonda serviert einen „nachhaltigen Podcast“ aus dem Kofferraum eines Elektro-Lasters, während Chiara Francini Bäumen ihre Stimme leiht – literarisch, melancholisch, mit Hauch von Magic Realism.

Warum das funktioniert – und warum es kein quotenrenner wird
Die Mischung aus harter Wissenschaft und absurder Comedy ist in Italien neu. Kein Talk, kein Doku-Drama, sondern ein Format, das sich die DNA von TikTok und der BBC klont. Produzent Be Water Film setzt auf 4K-Makroaufnahmen von Wurzeln, die wie Korallen aussehen, und auf Live-Voting über RaiPlay, bei dem das Publikum entscheidet, welches Kraut als nächstes in die DNA-Bibliothek aufgenommen wird. Die Quote von 3,9 % klingt bescheiden, ist für den späten Freitag aber ein Ausrufezeichen – vor allem in der Zielgruppe 15-34, wo La pelle del mondo bereits 8,2 % erzielte.
RAI-Chefin Giampaolo Rizzello nennt das Projekt „grünes Public-Service-Netflix“. Der Sender spart an Kostümen, dafür fließt Geld in CGI-Animationen, die zeigen, wie Wälder Atemluft produzieren. Die Redaktion will nicht predigen, sie will einfangen – mit dem Nerv der Generation, die Fridays-for-Future auf die Straße trieb, aber auch mit den 50-Jährigen, die nach dem Abendessen nicht nochmal Crime-Serien ertragen.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Wer grün senden will, muss auch grün wittern. Guzzantis Vulvia sagt es so: „Wenn ihr denkt, dass Bäume keine Memes sind, dann schaut mir in die Augen – ich bin ein Meme mit Wurzeln.“ Die zweite Folge endet mit einer Kompilation, in der Sangiorgi eine Ballade über die letzte Eiche Mailands singt, während Mancuso live eine Wurzel in Farbstoff taucht. Die Kamera zoomt auf die Uhr: 23.45 Uhr. Noch 15 Minuten bis zur Nachrichtenwiederholung. Die Zuschauer bleiben sitzen. Die Werbung verkauft Bio-Joghurt. Die Erde atmet kurz durch – und dreht weiter.
