Gudmundsson trifft, gewinnt – und findet seine villa leergeräumt

Albert Gudmundsson hat den Ball ins Netz gejagt und Raków Częstochowa damit aus der Conference League gekickt. Stunden später jagten Diebe durch seine Villa in den Hügeln von Florenz. Der Isländer kehrte vom Sieg ins Nichts zurück: Schubladen auf, Schmuck weg, Erinnerungen mitgenommen.

Der perfekte strafstoß war nur die halbe geschichte

Der perfekte strafstoß war nur die halbe geschichte

Der 26-Jährige verwandelte in der 97. Minute – Fiorentina gewinnt 2:1. Mannschaft busste ins Viola-Park-Hotel, um sich auf Cremonese vorzubereiten. Gudmundsson fuhr nach Hause, öffnete die Tür, roch Staub statt Sieg. Auf Instagram postete er Fahndungsfotos seiner Uhr, bat um Hinweise, bot Belohnung. „Persönliche Gegenstände mit unermesslichem Wert“, schrieb er. Kein PR-Sprecher, kein Klub-Statement – nur ein Spieler, der um sein Leben bittet.

Die Polizei vermutet Insiderwissen. Wer sonst wusste, dass die Fiorentina nach dem Spiel nicht heimkehrt, sondern im Trainingscamp übernachtet? Wer sonst kannte die Sicherheitslücken der Villa im Oltrarno-Viertel? Ein klassisches Kalender-Delikt, nur dass hier keine Terminkalender offenlagen, sondern Spielpläne.

Frank Ribéry erlebte dasselbe 2020. Auch er trug damals die violette Nummer 10. Auch er kam von einem Auswärtsspiel, fand seine Familie aufgewühlt, seine Frau Wahiba damals: „Ich liebe Florenz, aber jetzt bin ich verletzt.“ Die Stadt der Renaissance wird zur Stadt der Wiederholung.

Fiorentina reagiert mit Schweigen. Kein Extra-Security-Aufgebot, keine Spieler-Appelle. Stattdessen steht am Sonntag das nächste Spiel an – Cremonese wartet, Tabellenende, Abstiegskampf. Gudmundsson wird wohl spielen, denn der Klub zahlt Prämien für Europa, nicht für Trauer.

Die Serie A zählt Tore, nicht eingebrochene Türen. Die Statistik vermerkt: ein Strafstoßtreffer, drei Punkte. Was sie nicht vermerkt: ein Spieler, der nachts seine Tore auf Instagram tauscht gegen Hinweise. Die Liga läuft weiter, die Uhr bleibt verschwunden.