Guardiola nagelt city-heim mit 1:2 gegen real fest – und schläft mit einem fragezeichen

Pep Guardiola schlurfte nach Abpfiff durch den Mixed-Zone-Tunnel, die Stimme heiser, die Augen gerötet – und im Kopf ein einziges Bild: Bernardo Silva fliegt in der 12. Minute, Real Madrid läuft danach 75 Minuten in Überzahl, City verliert 1:2 und damit 1:5 gesamt. „Ich werde nie erfahren, wie dieses Rückspiel bei Gleichzahl verlaufen wäre. Das begleitet mich ins Bett“, sagte der Katalane, und man hörte, wie sich in seiner Kehle die Frage festfraß: Hätten wir das Spiel gedreht?

Der moment, der alles kaputtmacht

Bernardo Silva, sonst Gelb-Engel der Statistik, räumt Aurélien Tchouaméni mit offener Sohle – Rot. Erste Platzverweisung überhaupt in 536 Pflichtspielen. Guardiola verteidigt ihn trotzdem: „Er trifft den Ball, nicht den Mann. Die Aktion dauert 0,3 Sekunden, da reagiert das Gehirn schneller als die Schaltzentrale.“ Doch die Zahlen sind hart: Nach der Ampelkarte kassiert City vier der fünf Tore der Doppelbegegnung, schafft nur noch ein Gegentor – und das war zu wenig, um die 0:3-Pleite vom Bernabéu aufzuholen.

Die Partie selbst war ein Lehrstück über Real Madrids Nervenstärke. Mit einem Mann mehr zogen die Königlichen das Tempo heraus, spielten City an der eigenen Sehne. Vinícius Júnior traf doppelt, Joselu bereitete das 2:1 vor, und plötzlich stand der Rekordmeister wieder im Viertelfinale. Guardiola hatte in der Halbzeit umgestellt, stellte Riyad Mahrez und Julián Álvarez rein, doch die Lücke blieb: „In Unterzahl 75 Minuten gegen Real Madrid – das ist wie Schach ohne Dame gegen Carlsen.“

Citys zukunft laut guardiola: „wir werden wieder kommen“

Citys zukunft laut guardiola: „wir werden wieder kommen“

Der 55-Jährige zeigte sich dennoch nicht niedergeschlagen. „Diese Mannschaft ist noch nicht komplett, aber sie wird es werden“, sagte er und nannte drei Baustellen: zentrale Abwehr, Sechser-Backup, Killer-Instinkt im Strafraum. „Wir haben Spieler, die nächstes Jahr 23, 24 sind – und wir haben Erling Haaland, der mit 25 gerade erst anfängt.“ Die Botschaft: City wird im Sommer zugreifen, hat Kaderplaner Txiki Begiristain bereits mit Scouting-Listen für Linksverteidiger und Box-to-Box-Kraftpaketen versorgt.

Guardiola blickte auch auf den Verein insgesamt: „Ich möchte, dass Manchester City irgendwann dieselbe Erwartungshaltung hat wie Real Madrid – dass ein Ausscheiden in der Champions League automatisch als Misserfolg gilt.“ Dann kam sein scharfer Satz: „Vielleicht erreichen wir das, bevor ich hier aufhöre. Vielleicht auch nicht. Aber ich bin nicht der Mann, der vor der Herausforderung davonläuft.“

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie viel Energie noch im Tank ist. Am Sonntag steht das Ligapokal-Finale gegen Arsenal, danach FA-Cup-Viertelfinale gegen Liverpool. Drei Wettbewerbe, ein Ziel: mindestens eine Trophäe, um die Saison nicht als Leer aus zu buchstabieren. Guardiola: „Wenn wir das schaffen, war es kein verlorenes Jahr. Und wenn nicht, schreiben wir trotzdem weiter – bis die Frage, die mich heute Nacht wach hält, endlich eine Antwort bekommt.“