Grillitsch schießt braga ins viertelfinale und lässt budapest vergessen
0:2 in Budapest, 4:0 in Braga – die Portugiesen drehten das Europa-League-Achtelfinale gegen Ferencváros im Sturm und haben ÖFB-Routinier Florian Grillitsch zum Helden erkoren. Der Steirer traf, legte nach und war 76 Minuten lang der Dirigent einer Nacht, die ganz Minho elektrisiert.
Ein schlag ins kontor nach 180 sekunden
Noch hatte der Gästeblock „Fradi, Fradi“ gerufen, da schlug Al-Musrati die erste Warnung ein. Braga presste hoch, ließ den Ball laufen und zog die Ungarn auseinander wie ein altes Akkordeon. Grillitsch stand dabei nicht in der zweiten Reihe, sondern rückte früh ins Zentrum, wo er die Anspielstation für jede zweite Aktion war. Die Führung fiel nach zwölf Minuten, das 2:0 nur fünf später – und es war Grillitsch, der mit einem satten Links-Schuss aus 14 Metern den Deckel draufsetzte. Wer in der Gondola hing, hielt den Atem an: Der Treffer war nicht nur hochverdient, er war die logische Konsequenz aus einer Halbzeit, in der Braga 67 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse verbuchte.
Was folgte, war kein Zurücklehnen, sondern eine Demonstration. Ferencváros brachte drei Offensivwechsel, rückte mit einer Viererkette in die gegnerische Hälfte – und lief sich immer wieder in Konter. Ricardo Horta nutzte einen solchen per Lupfer über Dibusz hinweg, ehe Víctor Gómez mit einem Traumtor aus 22 Metern den Kunstrasen zum Glühen brachte. 4:0, die Arena tobte, die Ungarn taumelten. Die Statistik? 23:4 Torschüsse, 3,1 zu 0,4 xG – Zahlen, die sich lesen wie ein Maklervertrag.

Grillitsch: der österreichische pulsschlag
„Er war unser Metronom“, sagte Trainer Artur Jorge nach dem Spiel und schlug dabei so enthusiastisch mit der Hand auf die Tischplatte, dass das Mikrofon wackelte. Grillitsch gewann 13 von 16 Zweikämpfen, spielte 91 Prozent seiner Pässe treffsicher und erlaubte sich keinen Ballverlust in der eigenen Hälfte. Dass er in der 76. Minute ausgewechselt wurde, war keine Strafe, sondern Demütigung des Gegners: Der Job war erledigt, der österreichische Nationalspieler durfte sich feiern lassen.
Die Leistung dürfte auch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick freuen. Seit seinem Wechsel zu Braga vor acht Monaten hat Grillitsch 33 Pflichtspiele absolviert, dabei drei Tore erzielt und sieben Vorlagen geliefert – bei einer durchschnittlichen Spielzeit von 81 Minuten. Die Formkurve zeigt steil nach oben, und das mitten im EM-Quali-Zyklus. Wer ihn derzeit im Mittelfeld sucht, findet einen Spieler, der defensive Stabilität und Aufbauspiel vereint – genau die Mischung, die Rangnick für sein Hochtempo-System braucht.

Braga träumt vom ersten titel seit 1966
Mit dem Viertelfinale rückt für die Arsenalistas ein Traum in Reichweite. Der Klub hat europäische Erfahrung gesammelt, spielte 2011 das Finale der Europa League – und verlor damals gegen Porto. Seither war das Viertelfinale meist Endstation. Doch die aktuelle Mannschaft wirkt reifer, abgebrühter. Der Schnitt der Startelf liegt bei 26 Jahren, der Kader ist breiter aufgestellt denn je. Und mit Artur Jorge steht ein Coach auf der Bank, der die taktische Flexibilität sucht und findet: 4-2-3-1, 3-4-3 oder gestern ein 4-1-3-2 – Braga wechselt Systeme, ohne die Balance zu verlieren.
Am Donnerstag entscheidet sich der Gegner. Betis Sevilla liegt nach dem 0:1 in Athen unter Druck, doch die Andalusier gelten als heißer Favorit. Sollte Braga erneut Heimrecht behalten, winkt das Halbfinale – und mit ihm die Chance, die eigene Fanbasis erstmals seit 57 Jahren wieder in ein europäisches Endspiel zu führen. Die Minho-Region bereitet sich schon jetzt vor: Hotels sind ausgebucht, Flugtickets nach Deutschland und Italien gehandelt wie Bitcoins vor dem Crash.
Grillitsch selbst will nicht von Geschichte sprechen. „Wir sind hungrig, nicht nostalgisch“, sagt er und wischt sich die Haare aus der Stirn. Die Botschaft ist klar: Braga will mehr als ein Abenteuer, der Klub will den Sprung in die europäische Elite. Und wenn der österreichische Mittelfeldstratege so weiterspielt, könnte aus dem Traum bitterer Realität werden – für jeden, der sich den Weg versperren will. Das Rückspiel gegen Ferencváros war erst der Auftakt, nicht das Ende der Reise.
