Grifo pulverisiert 106-jahresfluch und schleudert freiburg ins viertelfinale
Mitten im Breisgauer Taumel zog Vincenzo Grifo die Schuhe aus, kletterte barfuß über die Bande und verschwand in einem Meer aus Schwarz-Weiß. Sekunden zuvor hatte er den Ball aus 14 Metern zur Drehung gebracht, Genk-Keeper Vasilj noch die Hand folgen lassen und die Europacup-Geschichte des SC Freiburg neu geschrieben. 106. Pflichtspieltor im Freiburger Dress, 3:1 im Rückspiel, erstmals Viertelfinale – und das alles an einem einzigen Abend.
Der schuss, der petersens marke verblasssen ließ
Der Italiener löste die bislang heilige Bestmarke von Nils Petersen ab, der 105 Treffer 14 Jahre lang Rekord hielt. Grifo selbst brauchte dafür nur sieben Saisons, denn 28 seiner Tore schoss er allein in Europapokalen. „Ich habe Nils vor dem Spiel noch gesagt: Heute hol ich dir die 106“, verriet Grifo im Mixed-Zone-Gewusel. „Er hat gelacht. Jetzt muss er mir ein Bier ausgeben.“
Trainer Christian Streich hatte vor dem Anpfiff die Wandtafel zur Seite geschoben und stattdessen ein altes Video von Barcelona 1999 gezeigt – als Manchester United in der Nachspielzeit noch zwei Tore schoss. Botschaft: Tore machen Spiele kaputt. Gesagt, getan. Nach 19 Minuten jagte Matthias Ginter eine Grifo-Ecke per Kopf ins Netz, sechs Minuten später legte Igor Matanovic nach. Genk kam zwar durch Torjäker Tolu Arokodare nochmal heran, doch der nächste Grifo-Moment war nur eine Frage der Zeit.

Celta vigo wartet – und kennt die grifo-gefahr bereits
Mit dem 3:1 schraubte Grifo die Moral der 32.041 Zuschauer auf ein neues Dekibel, Yuito Suzuki und Maximilian Eggestein spielten nach Belieben nach. 5:1 – Freiburgs höchster Europacup-Sieg überhaupt. Die Statistik lügt nicht: In den letzten 14 Heimspielen europäischer Prägung blieb der Sport-Club ungeschlagen. Celta Vigo, der Viertelfinal-Gegner, wurde in der Gruppenphase 2022 noch in Freiburg mit 0:2 abserviert – beide Tore vorbereitet von niemand Geringerem als Grifo.
Grifo selbst schob das historische Tor nach dem Abpfiff in die Reihe der „ganz besonderen, aber nicht das wichtigste“. Wichtiger sei, „dass wir als Verein zeigen, dass wir international mithalten“. Dann riss er ein Autogrammkind hoch, ließ sich von den Fans feiern und verschwand mit schmutzigen Socken im Spielertunnel. Freiburg träumt, Grifo trifft – und Petersen bestellt schon mal das Bier.
