Gravina schlägt zurück: zwischen fabregas-ehre und schiedsrichter-krise brennt der italienische fußball

Gabriele Gravina stellt sich quer. Während die Meisterschaft in ihre heißeste Phase läuft, erklärt der Präsident des italienischen Fußballverbandes den Ton um Schiedsrichter in Italien zum»Klima des Unaussprechlichen«. Und ehrt ausgerechnet Cesc Fabregas – den ersten Ausländer, der den Bearzot-Preis erhält.

»Ein mann ohne hintertürchen«

»Er wirkt auf manche spaltend, ist aber ein Symbol der neuen Generation«, sagt Gravina über den 38-jährigen Coach von Como. Der Spanier habe in Coverciano das UEFA-Pro-Diplom gemacht, sich keine Abkürzung erlaubt und seine Ideen mit »einer Direktheit, die mir gefällt« umgesetzt. Das klingt wie ein Seitenhieb auf jene Serie-A-Kollegen, die lieber über Transferwünsche jammern als über Spielphilosophie diskutieren.

Gravina nimmt Fabregas in Schutz, weil der selbst gegen Abstiegsdruck versucht, Fußball attraktiv zu machen. Die Statistik gibt ihm Recht: Como erzielte in dieser Saison mehr Tore aus der zweiten Welle als 14 andere Klubs – ein Indiz für trainierte Automatismen statt Notbremse.

Schiedsrichter zwischen rundfunk und rundumschlag

Schiedsrichter zwischen rundfunk und rundumschlag

Doch die eigentliche Bombe zündet der Verbandschef beim Thema Referees. Zehn Fehlentscheidungen pro 20 Spiele vor ein paar Jahren, heute nur noch zwei – trotzdem werde der Schiri zum Sündenbock. »Wir haben das Verfahren Open VAR eingeführt, um Transparenz zu zeigen. Jetzt wird diese Transparenz instrumentalisiert.« Konkret: Klubvertreter schneiden Videos zurecht, Fan-Accounts kreieren Hashtags, und die Schiedsrichter bekommen Morddrohungen.

Die Zahlen der italienischen Polizei bestätigen den Trend: Angriffe auf Unparteiische stiegen 2025 um 34 Prozent. Gravinas Konsequenz: Nach der Saison wird die FIGC gemeinsam mit dem Schiedsrichter-Komitee ein Pro-und-Kontra-Papier zu Open VAR veröffentlichen. Eine Art Referendum über die Zukunft der Transparenz – mit offenem Ausgang.

»Er lebt, fabio capello lebt«

»Er lebt, fabio capello lebt«

Neben Fabregas erhält auch Fabio Capello einen Preis – eine Hommage an den 80-jährigen, der als TV-Expert noch immer mit schneidender Stimme Co-Trainer attackiert. Gravina lacht: »Er zwingt uns zum Nachdenken, auch wenn es weh tut.«

Und dann die Geschichte, die das Publikum zum Schweigen bringt: Die 17-jährige Schiedsrichterin Valentina Zamburru, auf dem Platz von einem Spieler die Kieferfraktur geschlagen. Die FIGC verhängte ein »Berufsverbot auf Lebenszeit« – so nennt Gravina die Höchststrafe. »Wer eine 17-Jährige traktiert, hat im Fußball nichts verloren. Punkt.«

Die Botschaft ist klar: Wer glaubt, mit Gewalt Druck aufbauen zu können, fliegt raus – egal, ob es um Schiedsrichter geht oder um den Versuch, den Meister zu beeinflussen. Gravina wirkt wie ein Mann, der vor der Playoff-Phase noch einmal die Grenzen aufzeichnet. Ob das reicht? Die nächsten Wochen werden zeigen, ob italienischer Fußball wieder Fußball spielt – oder weiter Schlagzeilen liefert.