Gravina schlägt zurück: 11 seiten zündstoff für den italienischen fußball
Kurz nach seinem Rücktritt als FIGC-Präsident hat Gabriele Gravina die Bombe platzen lassen: Ein 11-seitiges Papier, das Italiens Fußball auf die harte Couch legt – und das, obwohl sein Auftritt im Parlament kurzfristig abgesagt wurde.
Die Zahlen sind brutaler als jede Niederlage. In der Serie A laufen nur noch 32,1 % der Spielminuten auf italienischen Beinen, in Spanien sind es 60,4 %. Die Liga ist Europas Altersheim: 27 Jahre Durchschnittsalter, Platz 8 der „Greisen-Tabelle“. Und die U21? Die kriegt gerade einmal 1,9 % Spielzeit – weltweit nur noch Liechtenstein schlechter.
Warum niemand den abstieg stoppt
Gravina liefert die Antwort gleich mit: Das Gesetz Dlgs 36/2021 hat den „sport obligation“ abgeschafft – die Klubs müssen keine eigenen Talente mehr fördern. Drei Regierungen haben das mitgemacht, die Folgen sind irreversibel. Wer jetzt noch einen italienischen Teenager in der Startelf sieht, hat Glück oder schaut bei Atalanta.
Die Klubs zahlen dafür horrende Agentengebühren: 300 Millionen Euro im Jahr, Rekord. Gleichzeitig verlieren die Proficlubs 730 Millionen Euro jährlich, 3,6 Milliarden allein in den Covid-Saisons. 194 Vereine wurden seit 1987 wegen Zahlungsunfähigkeit ausgeschlossen, 519 Punkteabzüge in 13 Jahren. Der Schuldenberg: 5,5 Milliarden Euro.

Stadien, strukturen, selbstblockade
Italia baut keine Arenen, sondern redet nur. Zwischen 2007 und 2024 taucht das Land in keiner europäischen Top-Ten-Liste der Neubau- oder Sanierungsprojekte auf. Dagegen hat Saudi-Arabien mehr Profiklubs als Italien – 97 sind hierzulande zugelassen, nur Mexiko, Türkei und Argentinien übertreffen diese Zahl.
Reformen? Blockiert. Die Serie A will weder auf 18 Teams reduzieren noch strenge Finanzkontrollen akzeptieren. Das „parlamentarische Ermessen“, eingeführt durch die Mulè-Novelle, verleiht den Ligen ein Vetorecht – und der FIGC bleibt nur der Ruhestand.
Gravina selbst bleibt bis 22. Juni kommissarisch im Amt. Sein Fazit: „Wer glaubt, mit meinem Rücktritt seien die Probleme gelöst, verkennt die Realität.“ Die 11 Seiten sind kein Abschiedsbrief, sondern eine Kampfschrift. Ob sie jemand liest, der sie umsetzen kann, steht auf einem anderen Blatt.
