Granada zwischen den pfosten: notkeeper garcía soll kader vor dem absturz bewahren

Die Luft im Estadio Nuevo Los Cármenes wird am Samstag dünner. Denn Granada empfängt Huesca ohne beide Stammtorhüter – ein Déjà-vu, das Trainer Pacheta eigentlich vermeiden wollte.

Luca Zidane sitzt in Algier. Die FFF rief ihn kurzfristig zu zwei Testspielen, der Franzose mit algerischem Pass packte bereits Koffer und Form. Weg vom Kader, weg vom Tor. Die Konsequenz: ein Blick auf die Ersatzbank, wo nur noch Schmerzen sitzen.

Astralaga lahmt – garcía lacht?

Raúl Astralaga testete am Dienstag auf dem Trainingsgelände, doch das rechte Sprunggelenk schwieg sich aus. Kein Sprint, kein Seitenschritt, kein Spiel. Die medizinische Bilanz nach zwei verpassten Partien: keine Besserung. Die sportliche Bilanz: Iker García rückt in den Fokus, 20 Jahre, 1,92 m, ohne Pflichtspielroutine, aber mit Selbstvertrauen.

Schon einmal stand er allein. Erste Runde, Spieltag 8, Las Palmas. Auch damit fehlten Zidane und Astralaga – damals wegen Länderspielpflicht. García hielt, was zu halten war, kassierte aber auch vier Gegentore. Die Zahlen: acht Paraden, 63 % gehaltene Schüsse, 2,8 verhinderte Expected Goals. Solide, nicht spektakulär.

Die sportliche Leitung verzichtete im Winter auf ein drittes Schlusslicht, verlieh stattdessen Vertrauen und Spielzeit. Jetzt zahlt sich möglicherweise genau diese Entscheidung aus. García trainiert seit Wochen mit dem Profikader, kennt die Anweisungen von Torwartcoach Javi López, spricht fließend Spanisch und Baskisch – wichtig, wenn die Abwehr in Sekundenbruchteilen umschalten muss.

Die rechnung ohne gegner

Die rechnung ohne gegner

Huesca reist mit der besten Auswärtsbilanz der Gruppe. Acht Treffer in fünf Partien, nur zwei Gegentore. Die Offensive um Jaime Seoane und Ignasi Miquel zielt auf Standards und zweite Bälle – genau die Szenarien, in denen ein Keeper Organisation braucht. Garcías Stimme wird über 40.000 Kubikmeter Stadionhallen schallen müssen.

Die Alternative wäre Joan Femenías, 31 Jahre, zuletzt Leihgabe in Zaragoza, aktuell ohne Vertrag. Das Büro arbeitet an einer Notlizenz, doch die müsste binnen 24 Stunden vom spanischen Verband akkreditiert werden. Zeit drängt, der Countdown läuft.

Setzt Pacheta auf García, steht der Junge im Kalkofen. Setzt er auf Femenías, wettet er auf Erfahrung ohne Rhythmus. Beide Szenarien enden mit einem Fragezeichen hinter dem Tabellenplatz. Granada liegt zwei Punkte über dem Strich, Huesca einen Punkt darunter. Ein Sieg würde die Andalusier auf Play-off-Platz ziehen, eine Niederlage sie in den roten Bereich schubsen.

Die Statistik spricht für Mut: In den letzten zehn Jahren gewannen Teams mit Notkeepern 38 % der Partien, wenn der Gegner früh Druck macht. Verlieren sie den ersten Tick, bröckelt die Moral. Deshalb plant Pacheta ein 4-2-3-1 mit frühem Pressing, um Huesca-Feldspieler Valcarce und Escriche in die eigte Hälfte zu verfrachten.

Am Ende bleibt ein Satz im Umkleidebereich hängen: „Wer im Tor steht, ist egal – wichtig ist, wer für ihn blockt.“ Die Kadersprecher Víctor Díaz und Jorge Molina haben sich bereit erklärt, vor jedem Freistoß die Mauer zu kommandieren. Ein Detail, das Spiele kippen kann.

Der Klub rechnet intern mit sechs Punkten aus den nächsten drei Spielen. Ohne Zidane, vielleicht ohne Astralaga. Was bleibt, ist ein 20-Jähriger mit Handschuhen, die größer wirken als seine Erfahrung. Wenn er am Samstag um 18.30 Uhr in den Strafraum läuft, schlägt nicht nur sein Herz – schlagen die Herzen eines ganzen Vereins. Denn wer in Granada zwischen den Pfosten steht, steht zwischen Erstliga-Traum und zweite Division. Die Entscheidung fällt am Wochenende – und sie fällt möglicherweise über die Karriere eines jungen Mannes, der bislang nur aus der Distanz kannte, was es heißt, ein ganzes Stadion zum Schweigen zu bringen.