Grammel schreibt in kranjska gora geschichte – odermatt muss auf die letzte runde warten
Anton Grammel spaziert als Achter durchs Ziel, schlägt sich auf die Oberschenkel und brüllt ein „Jawoll!“ in die kameraüberflutete Abfahrt. Der 27-Jährige hat soeben beim Riesenslalom in Kranjska Gora die beste Platzierung seiner Weltcup-Karriere eingefahren – und das direkt nach seiner Olympia-Pause. Eine Leistung, die selbst die routinierten Kameras auf der roten Wiese verrücktspielen lässt.
Stockinger und gratz liefern den deutschen doppelpack nach
Nur fünf Positionen dahertuckert Jonas Stockinger auf Rang 13, was für ihn ebenfalls die vorläufige Bestmarke bedeutet. Fabian Gratz kommt als 17. ins Ziel – drei Deutsche in den Top-20, das gab es zuletzt vor drei Jahren. Dahinter, aber auf dem Siegertreppchen, steht Lucas Pinheiro Braathen. Der Norweger im brasilianischen Dress feiert im Frühlingsfirn von Slovenia seinen zweiten Erfolg nach dem Verbandswechsel – Nummer sieben insgesamt. Loic Meillard (+0,54 Sekunden) und Stefan Brennsteiner (+0,80) begnügen sich mit Silber und Bronze.
Die Faust im Sack: Marco Odermatt. Der Schweizer Gigant wurde nur Fünfter, verpasst damit die vorzeitige Krönung im Riesenslalom-Weltcup. 48 Punkte beträrt sein Polster auf Braathen vor dem Finale in Kvitfjell/Hafjell ab 21. März. Eine Rangelei, die sich lohnt – im Gesamtweltcup hingegen beträgt sein Vorsprung 632 Punkte, eine Differenz, die selbst ein Formtief nicht mehr zerreißen dürfte.

Grammel zieht bilanz: „endlich kommt die frucht der nachtarbeit“
Im deutschen Lager herrscht Erleichterung. Grammel hatte nach Peking eine kleine Auszeit genommen, um Material und Kopf neu zu justieren. „Wir haben Nacht für Nacht die Kanten geschliffen, die Sohlen getestet und jeden Radius auf der Maschine vermessen“, sagt er mit zittriger Stimme. Die Physiotherapeuten sprechen von einer „neuen Hüftrotation“, die Skitest-Engineer von „mehr Druck in der zweiten Kurvenhälfte“. Fakt ist: Erstmals fuhr der Bayer vorne mit, statt hinten aufzuräumen.
Die Szenerie in Kranjska Gora untermauert den generationalen Wandel: Frühlingshafte 14 Grad am Hang, Schneebrei statt Eis, und trotzdem feuern die Athleten Vollgas. Pinheiro Braathen profitierte von der weichen Piste, die seine langen Kantengriffe wie auf Schleifpapier zog. Odermatt wiederum patzte in der Steilwand, wo sich die Latten sonst biegen wie bei ihm zuhause auf dem Stoos. Ein kleiner Hänger, der große Folgen hat – und die letzte Riesenslalom-Entscheidung auf die norwegische Finale-Woche vertagt.
Für Grammel, Stockinger und Gratz geht es darum, den Schwung mitzunehmen. Die WM-Planungen für 2027 in Garmisch laufen bereits auf Hochtouren. Und wer weiß: Vielleicht steht dann einer von ihnen schon auf dem Podest, das heute noch Braathen, Meillard und Brennsteiner bevölkern. Die deutsche Skifamilie hat wieder einen Grund, vor dem Fernseher zu jubeln – und Anton Grammel endlich eine Antwort auf die Frage, war er all die Jahre so hart trainiert hat.
