Gramellini holt de luca und ragonese – in altre parole wird zum kultur-kracher

1,2 Millionen Zuschauer waren es letzte Woche. Heute Abend dürften es noch mehr werden. Denn Massimo Gramellini öffnet seine Late-Night-Show „In altre parole“ auf La7 und lädt genau jene Gäste ein, die Italien derzeit bewegen – nicht nur politisch, sondern vor allem kulturell.

Erri de luca liefert die hintergrundgeschichte

Der Schriftsteller Erri De Luca sitzt als erstes im Studio. Kein Zufall. Seine Romane handeln von Macht und Ohnmacht, von Menschen, die gegen den Strom schwimmen. Genau das will Gramellini: kein endloses Polit-Geschwätz, sondern eine Geschichte, die erklärt, warum das Land so tickt, wie es tickt. De Luca liefert sie. Kurze Sätze. Dann wieder lange, fast biblische. Die Zuschauer lauschen, als stünde der Autor persönlich in ihrem Wohnzimmer.

Im Anschluss übernimmt Gad Lerner das Feld der harten Fakten. Der Journalist zerpflückt die jüngsten Skandale, zählt Nachnamen, Datum und Quoten. Dazwischen sitzt Rosy Bindi, die Ex-Ministerin. Sie spricht über den Referendum, über die erste Krise der Regierung Meloni – und über die Frage, ob Italien noch eine Mitte hat oder nur noch zwei laute Ränder.

Isabella ragonese und vinicio marchioni erklären, warum liebe im kino politik ist

Isabella ragonese und vinicio marchioni erklären, warum liebe im kino politik ist

Kurz vor Mitternacht wechselt das Format den Gang. Satzgefühl statt Satire. Die Schauspieler Isabella Ragonese und Vinicio Marchioni sprechen über ihren neuen Film „Il dio dell’amore“. Es geht um eine Frau, die sich in einen jüngeren Mann verliebt – und plötzlich vor die Entscheidung gestellt wird, ob sie ihre Karriere oder ihre Gefühle wählt. Ragonese nennt das „eine Liebeserklärung an die Freiheit“. Marchioni kontert: „Oder an den Preis der Freiheit.“ Gramellini lächelt. Er weiß: Das Publikum braucht keine Lektion, sondern einen Spiegel.

Dazwischen platziert er Marianna Aprile. Die Journalistin legt ihr Buch „La promessa“ auf den Tisch. Darin beschreibt sie den Weg vom Frauenwahlrecht bis zur ersten Ministerpräsidentin. 75 Jahre Geschichte in 200 Seiten. Aprile zieht eine klare Bilanz: „Die Quote ist erreicht. Die Macht noch nicht.“

Der strom der jungen stimmen

Der strom der jungen stimmen

Den Abschluss macht Angela Verdecchia. Die 23-jährige Koordinatorin der Rete Studenti spricht so schnell, dass Gramellini sie zweimal bremsen muss. Sie erzählt von Schulen ohne Heizung, von Praktika ohne Bezahlung, von einer Generation, die sich im CV mehr Mühe gibt als im Parlament. Die Zuschauerzahlen steigen während ihrer Rede auf 1,4 Millionen. Der Sender freut sich. Verdecchia bekommt den längsten Applaus des Abends.

Am Ende bleibt ein Satz hängen, den Gramellini in die Kamera spricht: „Wer zuhört, versteht. Wer versteht, kann sich ändern.“ Dann leuchtet das Studio aus. Die Quote: 7,3 %. Die Botschaft: noch viel höher.