Gräfe deckt auf: díaz hätte schon früher fliegen müssen

Der 1:1-Knaller zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern droht zum Nachspiel ohne Ende zu mutieren. Ex-Referee Manuel Gräfe hat sich die explosive Partie vorgeknöpft – und liefert Christian Dingert nur bedingt Schützenhilfe. Seine Diagnose: Díaz hätte schon in der 74. Minute duschen müssen.

Gräfe sieht rot – und das schon vor der schwalbe

Die Szene, die Gräfe nachträglich aufmischt, ist schnell erzählt, aber brisant: Luis Díaz jagt den Ball in Kopfhöhe, trifft Leverkusens Aleix Garcia frontal mit den Stollen. Gelb ist die Lösung von Dingert – für Gräfe „glasklar“ Rot. „Wenn man auf zwei Metern Höhe den Fuß so einsetzt und den Gegner am Schädel erwischt, darf keine Toleranz mehr existieren“, sagt der frühere FIFA-Referee in seiner Video-Analyse für Bild. Die späte Gelb-Rote Karte wegen einer Schwalbe sieht er folglich als verspätete Gerechtigkeit.

Dingert selbst räumte nach Abpfiff einen Irrtum ein: Nach TV-Bildern würde er Díaz die zweite Gelbe Karte nicht mehr geben. Gräfe kontert trocken: „Der Kontakt ist minimal, die Schauspielerei aber offensichtlich. Da muss der Spieler mit dem Platzverweis leben.“

Abseits-entscheidung gegen hofmann: „nicht im sinne des fußballs“

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Noch mehr Dampf macht Gräfe bei dem abgepfiffenen 2:1 für Leverkusen in der Nachspielzeit. Jonas Hofmann stand laut VAR um eine halbe Schulter im Abseits – technisch korrekt, aber für Gräfe eine „Katastrophe für das Spielverständnis“. „Die Regel wurde erfunden, um klare Vorteile zu verhindern. Was wir hier sehen, ist ein mikroskopisches Pixel-Rätsel. Das ist nicht Fußball, das ist Forensik“, wettert der Ex-Schiedsrichter.

Die Folge: Ein Punkt für Bayern, der Tabellenführung für Leverkusen – und eine hitzigere Debatte als je zuvor über den Einsatz von Technologie. Gräfe fordert erneut eine Reform der Abseitsregel, um solche „Zufallsentscheidungen“ zu verhindern.

Die Wut der Bayern? Nachvollziehbar. Die Tore wegen Handspiels zählten für Gräfe allerdings zu Recht. „Beide Male berührt der Arm den Ball in einer Körperhaltung, die den Spielverlauf aktiv beeinflusst. Da gibt es kein Erbarmen“, betont er.

Für Christian Dingert bleibt die Bilanz dennoch verheerend: Vier strittige Szenen, zwei persönliche Fehler, ein Spiel, das unter seiner Leitung aus dem Ruder lief. Die Liga aber diskutiert nicht mehr über den Schiedsrichter – sie diskutiert über das System. Und über einen Kolumbianer, der Glück hatte, dass er nicht schon früher duschen musste.