Göppingen schlägt lemgo und wirft den europacup-plan durcheinander

Die Halle kochte, dann platzte der Kessel. Frisch Auf Göppingen schwamm gegen den Europa-Anwärter aus Lemgo, drehte ein 10:14 und erntete einen 30:27-Auswärtssieg, der beim TBV für offene Schiedsrichterdebatten und verärgerte Kinder sorgte.

Florian Kehrmann stand nach Abpfiff wie angewurzelt im Mixed-Zone-Gewirr. „Wir müssen das Spiel erstmal ein bisschen verarbeiten“, sagte der TBV-Coach mit der Stimme eines Mannes, der weiß, dass die Saison plötzlich kompliziert wird. Seine Mannschaft hatte alles auf dem Feld gelassen, aber die Punkte gingen nach Baden-Württemberg.

Die wende fiel mit der sirene vor der pause

Lemgo dominierte die ersten 25 Minuten, führte 14:10, dann kassierte es den 14:15-Pausenknaller. „Das Tor war kein Spiel, aber es war ein Seismograph“, sagte Joel Weillecke, dessen Vertragsverlängerung am Tag des Debakels bekannt wurde. Die Göppinger Abwehr stand fortan tiefer, der TBV fand kein Mittel mehr gegen den 7-6-Wechsel der Gäste.

Erik Persson, Schwede mit deutschem Klubherz, strahlte: „Wir bleiben an unserem Gameplan und machen das durch, das ganze Spiel. Und ja, mit Kopf.“ Für seine Truppe war Lemgo der erste „dicke Fisch“ der Rückrunde. Der Europacoup, vor Wochen noch greifbar, rückt für den TBV nun in weite Ferne.

Schiri-thema entzweit die halle

Schiri-thema entzweit die halle

Die Unparteiischen hatten einen schweren Nachmittag, das war selbst aus der Pressetribüne zu sehen. Kehrmann wählte seine Worte vorsichtig: „Dann passieren wieder Dinge, die ich mir angucken werde.“ Weillecke wurde von eigenen Kindern auf dem Hallenboden gefragt, was er zu den Pfiffen sage. „Ich persönlich befasse mich nicht so fest damit“, antwortete er und lachte verkniffen. Die Lipper Fans pfiffen letztlich ihre eigenen Spieler aus, als die letzte Anlaufserie im blockierten Angriff steckenblieb.

Die Tabelle lügt nicht: Lemgo klettert nicht, Göppingen sammelt Selbstvertrauen für die Endphase. Wer jetzt noch glaubt, der Europacup warte auf den TBV, muss die Rechnung ohne die Moral der Schwaben machen. Mit 30:27 haben sie bewiesen: Punkte kann man auch dann mitnehmen, wenn die Halle gegen einen arbeitet.