Golla und knorr legen sich fest: gislason soll bleiben

Zwei Siege, zwei Forderungen. Nach dem 34:33 gegen Ägypten trommeln Johannes Golla und Juri Knorr offenbar für Alfred Gislason – und liefern dem DHB die Richtungsentscheidung auf dem Silbertablett.

Die spieler übernehmen das kommando

Die WM ist noch elf Monate entfernt, doch in der Kabine von Bremen tickt schon jetzt die Uhr. „Wir kommen dem Ausschöpfen des Potenzials immer näher“, sagte Golla nach dem zweiten Erfolg gegen den Afrikameister. Satz zwei folgt sofort: „Das spricht für eine gute Zusammenarbeit.“ Knorr, 23, ergänzt: „Ich hoffe, dass es noch weitergeht mit ihm.“ Mehr geht nicht, ohne Vertrag zu sprechen.

Der DHB hatte den Isländer 2020 aus dem Kreis der Verbandstrainer gezogen, nachdem die EM-Quali zu Bruch gegangen war. Seitdem hat Gislason 17 Neulinge debütieren lassen, die Mannschaft vom Schnellzalter zum Proberaum katapultiert und trotz zwei verpassten WM-Endrunden den Spielstil auf Tempo und Gegenstoß umgestellt. Die Ägypten-Tests waren die erste echte Standortbestimmung seit 14 Monaten – und endeten mit demselben Ergebnis wie 2025: Sieg, Sieg, aber mit Kratzern im Lack.

Meckes sitzt auf heißen kohlen

Meckes sitzt auf heißen kohlen

Sportvorstand Ingo Meckes muss sich beeilen. Der Vertrag läuft mit dem Schlusspfiff der Heim-WM am 31. Januar 2027 aus, und er will „keine offenen Fragen“ vier Wochen vor Turnierbeginn. Druck? „Keinen unmittelbaren“, sagt er. Die Spieler machen ihn trotzdem größer, als es die Tabelle vermuten lässt. Denn hinter den Kulissen sickert durch: Teile des Präsidiums halten Gislason für „zu experimentierfreudig“, die Ergebnisse gegen Top-8-Nationen seit 2025 lauten 3:11 – ein Satz, der in jedem Vorstandszimmer lauter wird.

Doch die Kabine schert sich nicht um Statistiken. Für Golla ist klar: „Wir versuchen, aus der Zeit mit Alfred das Beste zu machen.“ Knorr spricht von „Vertrauen seit meinem 19. Lebensjahr“. Beide wissen: Setzt der Verband jetzt auf Kontinuität, könnte die Kern-Truppe mit Andreas Wolff, Julian Köster und Renārs Uščins ihre beste WM-Reife erreichen. Wechselt der DHB den Coach, droht das nächste Rebuild – und ein Sommer voller Fragezeichen.

Die Entscheidung liegt nicht mehr auf dem Feld, sondern im Büro. Die Spieler haben ihre Meinung kundgetan. Nun ist der DHB am Zug. Die Uhr tickt – und die WM-Uhr auch.