Golla bricht sein schweigen: jetzt spricht der kapitän über gislasons zukunft
Die Bombe zündet nach dem Abpfiff. Johannes Golla, bislang demonstrativ zurückhaltend, wirft sich nach dem 34:33 gegen Ägypten in die Debatte um Alfred Gislason – und liefert das erste Machtwort aus der Kabine. »Ja, das kann ich mir vorstellen, natürlich«, sagt der Kreisläufer, als hätte er nur auf diesen Moment gewartet. Ein Satz, der den ohnehin brisanten Trainer-Streit beim Deutschen Handball Bund (DHB) auf die nächste Stufe hebt.
Warum gollas wort schwerer wiegt als jedes pressekommunique
Der 28-Jährige ist kein Querulant, er ist Kapitän. Wenn er öffentlich Position bezieht, spiegelt das den Konsens im Kader wider. »Das ist keine Spielerentscheidung«, betont er sofort, doch genau das macht seine Aussage brisant: Die Mannschaft schweigt nicht länger. Nach Jahren des Umbruchs, nach Qualifikations-Nerven und WM-Versprechen ist die Truppe stabil, sie will Kontinuität – und sie will Gislason.
Die Zahlen sprechen für den Isländer: Seit seinem Amtsantritt 2020 hat der DHB 61 Prozent der Pflichtspiele gewonnen, in der EM-Vorrunde 2024 kassierte Deutschland nur 22 Gegentore pro Partie – der beste Wert seit 2016. Doch sportliche Logik allein gentigt nicht. Gislasons Vertrag läuft 2025 aus, die Heim-WM 2027 rückt näher, und der Verband zögert. Präsident Bernhard Bauer will »Strukturen überprüfen«, kursieren intern Konzeptpapiere, die sogar ein Co-Trainermodell vorschlagen. Ein Affront für Gislason, der sich »weiterhin 100-prozentig identifiziert« fühlt.

Knorr, golla und die frage der glaubwürdigkeit
»Ich kenne nur Alfred als Bundestrainer und bin ihm sehr dankbar«, sagt Juri Knorr, 23, Spielmacher ohne Plan-B. Seine Karriere ist mit Gislason verwachsen, genau wie die halbe Stammformation. Ein Wechsel würde bedeuten: Neue Taktik, neues Timing, neue Führung – drei Jahre vor der Heim-WM. »Wir kommen dem Ausschöpfen unseres Potenzials immer näher«, so Golla. Klingt nach Kampfansage an alle, die einen Tapetenwechsel fordern.
Intern herrscht dennoch demonstrative Gelassenheit. »Wir machen uns da keine großen Gedanken drum«, sagt Golla. Das klingt nach Routine, ist aber Strategie: Die Mannschaft zeigt Geschlossenheit, um den Druck auf die Funktionäre zu erhöhen. Denn eins ist klar – wenn der DHB jetzt trennt, bricht er nicht nur mit einem Trainer, sondern mit der kompletten Erfolgsserie der jüngsten Vergangenheit.
Die Entscheidung läuft hinter verschlossenen Türen, doch Gollas Wort steht: Er kann sich eine Fortsetzung vorstellen. Und wenn der Kapitän das sagt, wissen die Verantwortlichen, dass die Spieler bereit sind, für Gislason in die Feuerprobe zu gehen. Die Nachricht ist kein Hilferuf – es ist eine Drohung im Samtkostüm.
