Gold im gepäck, herz im takt: nolte und levi drehen die sieges-tour durch hessen
Laura Nolte und Deborah Levi haben den Eiskanal von Cortina abgeschaltet, dafür starten sie gerade den Turbo auf Hessens Straßen. Goldmedaille im Handgepäck, Terminkalender randvoll: Die Bob-Olympiasiegerinnen feiern sich – und das Land feiert zurück.
Kein rasttag, dafür jede menge handschlag
„Wir sind noch gar nicht im Alltag angekommen“, sagt Nolte, während sie zwischen Radio-Studio und Schulhof wechselt. Am Dienstag landeten die beiden im Hessischen Rundfunk, kurz zuvor hatte Levi ihren alten Sportverein in Dillenburg heimgesucht. Kindheitstrainer, Lehrer, Sport-LK – alle wollten das Original sehen, nicht nur die Medaille. „Es ist schön, etwas zurückgeben zu können“, sagt sie, ohne eine Sekunde nach Luft zu schnappen.
Das Programm ist straff, fast schon olympisch: Termin, Foto, Weiter. Trotzdem wächst die Euphorie, nichts verflüchtigt sich. „Wenn wir nachts im Hotel ankommen, wird erst mal laut gelacht“, verrät Nolte. Die Freundschaft, die vor Jahren in der Eiskanal-Kälte begann, funktioniert auch auf Asphalt bei 15 Grad plus.

Zwei freundinnen, eine spur, null zweifel
Seit 2018 teilen sich die Frankfurterin und ihre Anschieberin aus Lahn-Dill die gleiche Kabine, die gleichen Nerven und jetzt auch die gleiche goldene Plakette. „Wir vertrauen uns zu 100 Prozent“, sagt Nolte im ARD-Gespräch – keine leere Phrase, sondern Trainingsalltag. Denn im Bob zählt jede Mikrosekunde, und Mikrosekunden entstehen aus Vertrauen.
Der Olympia-Abfahrt in Cortina gingen Monate mit Kraftmessungen, Startprotokollen und Videoanalysen voraus. Levi donnert über die 30-Meter-Bahn, Nolte steuert die 150-kg-Kapsel – ein Zusammenspiel, bei dem keiner einen Millimeter verschenken darf. Als das Duo nach vier Läufen vorne liegt, fallen sogar die Kommentatoren kurz ins Stottern: „Deutsche Bob-Pilotin trifft deutsche Sprinterin – das ist Chefsache.“

Neue ziele? erst mal sommerloch
Die nächste Saison? Wird im Sommer besprochen. Weltcup, Weltmeisterschaft, Sponsoren-Events – alles offen. „Jetzt genießen wir“, sagt Nolte. Die Medaillen wandern ins Regal, aber die Anfragen hören nicht auf. Sponsoren, Stiftungen, Schulen – jeder will das Gold-Duo live. Levi steckt die Maskottchen „Tina und Milo“ ein, die kleinen Plüschfiguren haben mittlerweile mehr Flugmeilen als mancher Bundestrainer.
Die persönliche Bilanz fällt knapp aus: elf Tage, zwölf Termine, zwei verschwitzte Autositze, ein einziger Abend mit Pizza. „Wir wissen, dass das kein Dauerzustand ist“, sagt Levi. Aber warum auch sofort wieder runterfahren? Die krassesten Abfahrten hat das Duo bereits hinter sich – und die steilste liegt gerade auf dem Heimatweg.
Die Gold-Tour endet, wenn die letzte Schule den letzten Schulhofgast winkt. Danach ziehen Nolte und Levi die Bahn frei – und keiner wagt zu bezweifeln, dass sie auch die nächste Kurve sauber kriegen. Hessen hat zwei neue Heldinnen, der Rest der Welt kriegt sie vielleicht schon im nächsten Winter wieder zu sehen. Keine Frage, kein Zweifel, nur eine Spur. Die führt nach oben.
