Girona versinkt im freien fall – drei pleiten werfen michel-team zurück in den abstiegsstrudel

Ein Punkt im Bernabéu, neun Zähler Vorsprung auf den Strich – und dann: Blackout. Girona hat sich in der entscheidenden Phase selbst ans Bein gepinkelt. Drei Niederlagen in Serie, null Tore, nur noch zwei Punkte Luft. Am Montag in Vallecas könnte die Mannschaft von Míchel erstmals seit Wochen wieder auf einem direkten Abstiegsplatz landen. Die Uhr tickt. Die Köpfe rauchen.

Michel rotiert, aber die würfel fallen nach hinten

Der Coach stellte gegen Valencia auf drei Positionen um: Francés rutschte als rechter Innenverteidiger neben Blind, Vitor Reis übernahm links, Fran Beltrán bildete mit Witsel das Doppelsechs-Paar, Joel Roca durfte von Beginn an auf der linken Außenbahn laufen. Die Idee: mehr Stabilität, schnellere Umschaltung. Die Wirklichkeit: 0:1 in Mestalla, danach 0:2 gegen Cádiz, 0:1 in Getafe. Dreimal klingelte es im eigenen Netz, dreimal blieb der Torschuss-Stab bei null. Ounahi, sonst als zentraler Zehner die Zündpille, verpasste die beste Chance, als sein Schuss an die Latte klatschte – Symbolbild für eine Woche, in der nichts mehr will.

Die Statistik nagt am Selbstvertrauen: Girona kassierte in den letzten 270 Minuten 22 Torschüsse aus dem Sechzehner, selbst schoss das Team nur dreimal aus zentraler Position. Die xG-Werte lagen bei 0,9 – 3,4, 1,1 – 2,8 und 0,7 – 2,2. Die Tendenz zeigt nach unten, der Abstand zu den Verfolgern schmilzt. Levante, Sevilla und Alavés haben den Katalanen den Atem im Nacken.

Restprogramm der horror-kategorie

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Noch vier Spiele, noch vier Endspiele. Erst geht’s zum aufgerüsteten Rayo, dann empfangen die Blanquirrojos Real Sociedad – eine Mannschaft, die für die Champions League kämpft und in den letzten fünf Auswärtsspielen zwölf Punkte holte. Spieltag 37 führt Girona ins Wanda Metropolitano, wo Atlético seit 13 Heimspielen ungeschlagen ist. Den Schlusspunkt setzt der Aufsteiger im eigenen Stadion gegen Elche, das womöglich schon sicher ist und ohne Druck auflaufen kann. Die Rechnung: maximal sechs Punkte sind realistisch, acht nötig, um den Rechner-Abstieg zu verhindern.

Michel betonte nach dem Getafe-Debakel, man dürfe „nicht in Selbstmitleid versinken“. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache: Seit dem 25. Spieltag hat kein Liga-Klub weniger Punkte als Girona (1 aus 15). Die Laufleistung brach in den letzten beiden Partien um durchschnittlich 4,3 Kilometer pro Spieler ein – ein Indiz für steigende Nervosität. Die Passquote in der gegnerischen Hälfte fiel von 78 auf 62 Prozent. Das Team verliert die Kontrolle, wenn der Gegner früher presst.

Psychologe Dr. Luis Moya, der schon Betis und Celta beriet, sieht den Nagel auf dem Kopf: „Wenn Spieler wissen, dass sie erst am Montag ranmüssen und bis dahin die Konkurrenten gewinnen können, verlagert sich die Angst vom Gegner zum eigenen Terminkalender. Das verändert Schlafrhythmus, Cortisolspiegel und letztlich die Entscheidungsgeschwindigkeit auf dem Platz.“ Die Daten der letzten Trainingseinheiten zeigen: Die Herzfrequenz in der ersten Nachspielminute lag 14 Schläge über Saisondurchschnitt – ein klares Alarmsignal.

Die Leitung um Sporting Director Quique Cárcel hält den Kurs. Kein Trainerwechsel, kein Krisengipfel, stattdessen interne Einheiten mit Videoanalyse bis 22 Uhr. Die Botschaft: Wir haben die Qualität, wir müssen nur die Angst abschütteln. Doch die Uhr tickt weiter. Am Sonntagabend könnte Girona schon wieder auf Platz 18 liegen, bevor ein Ball in Vallecas rollt. Dann wäre das kleine Wunder vom Camp Nou-Sieg und dem Pokal-Achtelfinale nur noch ein ferner Traum. Die Realität heißt: Abstiegsendspiele bis zum letzten Atemzug. Wer jetzt nicht trifft, fliegt. Punkt.