Giro d’italia 2024: vingegaard trifft auf pellizzari – ein neues kapitel?
Nessebar, Bulgarien – Der 109. Giro d’Italia ist Geschichte, bevor er richtig begonnen hat. Ein rosafarbenes Band, das seit 1909 das Land verbindet, eine schier unüberschaubare Anzahl an Geschichten und Emotionen, die sich entfalten – das alles ist der Giro. Und dieses Jahr startet das Rennen erstmals in Bulgarien, am Ufer des Schwarzen Meeres, bevor es am 31. Mai im Herzen Roms, am Circus Maximus, endet.
Vingegaard als top-favorit: kann er die triple crown erreichen?
Jonas Vingegaard geht als klarer Favorit ins Rennen. Nach seinen Siegen beim Tour de France setzt er nun auf den Giro, um als erster Fahrer überhaupt Tour, Giro und Vuelta zu gewinnen – eine Leistung, die bisher keinem Athleten gelungen ist. Der Däne selbst spricht von einer „neuen Herausforderung“ und sein Blick bei der Präsentation in Burgas verriet eine Entschlossenheit, die kaum zu übersehen war. Doch er weiß, dass er nicht unangefochten regieren wird.
Giulio Pellizzari, der junge italienische Hoffnungsträger, hat ein anderes Ziel vor Augen: Er will Vingegaard stoppen. Mit nur 22 Jahren ist er vielleicht noch unerfahren, aber er glaubt fest daran, dass Vingegaard auch nicht unschlagbar ist. „Er ist nicht unbesiegbar“, erklärte er selbstbewusst. Die Erwartungen in Italien sind hoch, seit Damiano Caruso 2021 den zweiten Platz erreichte und Vincenzo Nibali 2016 triumphierte.
Neben Vingegaard und Pellizzari drängen sich weitere Namen in den Vordergrund: Bernal, Adam Yates, Gall, O’Connor, Buitrago, Mas und Arensman – eine beeindruckende Riege von Anwärtern auf den Podiumsplatz. Doch der Giro ist bekannt für seine Unvorhersehbarkeit.

Ein anspruchsvoller kurs und die bulgarische herausforderung
Der Kurs ist hart, modern und ausgewogen – das Ergebnis der Arbeit von Direktor Mauro Vegni. 21 Etappen, drei Ruhetage und 3466 Kilometer mit 48.700 Höhenmetern warten auf die Fahrer. Besonders in Bulgarien könnte der Wind eine entscheidende Rolle spielen. Ab dem Restart in Italien wird das Rennen dann aber schnell wieder von der Leidenschaft des Südens geprägt – von Catanzaro bis Neapel.
Der Blockhaus-Anstieg wird die Fahrer an ihre Grenzen bringen, ebenso wie die toskanische Einzelzeitfahrt nach den Muri marchigiani und dem Test in Corno alle Scale. Die zweite Woche, mit der Sprintankunft in Mailand nach fünf Jahren, und vor allem die dritte Woche, mit ihren anspruchsvollen Bergen, werden die endgültige Rangordnung festlegen. Die Cima Coppi auf dem Passo Giau, nur zwei Tage vor dem Ziel in Rom, wird ein entscheidender Moment sein. Und dann noch die Gedenketappe in Friaul, die an das verheerende Erdbeben von 1976 erinnern wird – ein Mahnmal für die unvergesslichen Momente, die der Giro d’Italia so einzigartig machen.
Das italienische Publikum hat nicht nur Pellizzari im Blick. Jonathan Milan, Ganna und Ciccone – es wird sich zeigen, ob sich der negative Trend eines einzigen Etappensiegs pro Jahr, wie bereits 2017, wiederholt. Doch was wirklich fasziniert, ist die fehlende Vorhersehbarkeit. Vingegaard mag zwar der Top-Favorit sein, aber das Rennen ist noch lange nicht entschieden.
Die Rivalität zwischen Dänemark und Italien ist legendär: Pedersen stahl Trentin 2019 den Weltmeistertitel, und das italienische Quartett gewann 2021 bei Olympia die Goldmedaille gegen die dänische Mannschaft. Wird der Giro d’Italia ein weiteres Kapitel dieser spannenden Geschichte schreiben?
Der Moment ist gekommen. Die Vorfreude ist groß. Und eines ist klar: Dieser Giro wird ein Kampf auf Leben und Tod. Die Berge werden sprechen, die Fahrer werden leiden, und die Fans werden jubeln. Es wird ein Rennen für die Geschichtsbücher.
