Ghana trauert: 20-jähriger profi nach spiel aus dem bus erschossen

Der Bus rollte noch, da knallten die ersten Schüsse. Sekunden später duckten sich die Spieler von Berekum Chelsea im Gestrüpp, während ihre Teamkameraden um das Leben ihres jüngsten Kollegen rangen. Dominic Frimpong, gerade 20 geworden, erlag im Krankenhaus von Kumasi seinen Verletzungen – ein Tod, der den ghanaischen Fußball aus dem Takt wirft.

Maskierte männer eröffnen das feuer auf rückfahrt

Der Vorfall ereignete sich am späten Sonntag auf der Route durch die Ashanti-Region. Die Mannschaft war nach einer 0:2-Niederlage bei Nations FC unterwegs, als sich auf der einsamen Landstraße zwischen Obuasi und Bekwai ein silberner Pick-up parallel setzte. Augenzeugen berichten von mindestens vier maskierten Angreifern, die mit Pistolen und Kalaschnikows auf den Reisebus feuerten. „Die Scheiben zerbarsten, die Jungs schrienen ‚Runter!‘ – es war wie ein Kriegsfilm“, sagte Mittelfeldspieler Emmanuel Agyemang dem lokalen Sender Peace FM. Frimpong saß in Reihe drei, direkt hinter dem Bustürschacht. Eine Kugel traf ihn in die Brust, eine zweite in den Oberarm.

Der Fahrer durchbrach mit Vollgas eine Holzschranke und raste bis zur nächsten Polizeistreife. Doch die Minuten bis zur Ankunft im St. John’s Hospital kosteten den Flügelspieler das Leben. Die Ärzte konnten bei seiner Einlieferung nur noch den Tod feststellen.

Polizei spricht von gezieltem angriff – motiv unklar

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Die Regional Police Command hat eine Sonderkommission eingerichtet. Erste Ermittlungen deuten darauf hin, dass der Bus gezielt abgefangen wurde: Die Täter wussten offenbar über den genauen Zeitplan der Mannschaft Bescheid. „Wir prüfen, ob es sich um ein Racheakt handelt oder um einen bewaffneten Raubüberfall, der eskaliert ist“, sagt Chief Superintendent Grace Asante. Bislang liegen keine Hinweise auf Wettskandale oder Spielmanipulation vor. Die ghanaische Premier League hat in den vergangenen Jahren zwar wiederholt mit Bandenkriminalität an Stadionrändern zu kämpfen, ein gezielter Angriff auf einen Mannschaftsbus war jedoch selten.

Frimpong war erst vor dieser Saison aus der zweiten Liga zu Berekum Chelsea aufgerückt und hatte sich schnell einen Stammplatz auf der rechten Außenbahn erobert. In 18 Ligaspielen erzielte er drei Tore, zuletzt beim 2:1-Sieg gegen Accra Lions. Seine Vertragsverlängerung bis 2027 war bereits unterzeichnet.

Verband kündigt konvoisicherheit an – liga trauert

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Der Ghana Football Association (GFA) reagierte mit einer landesweiten Schweigeminute für die kommenden Spieltage und einer Sofortprüfung der Sicherheitsstandards. „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Spieler zu beweglichen Zielscheiben werden“, erklärte GFA-Präsident Kurt Okraku. Konkret plant der Verband künftige Auswärtsfahrten nur noch mit Polizeieskorte und zentralen Sammelpunktsterminals. Berekum Chelsea hat sein nächstes Heimspiel gegen Bechem United auf Donnerstag verlegt; die Spieler erhalten psychologische Betreuung.

Doch Frimpongs Familie bleibt mit einem Loch, das kein Regelwerk füllt. Seine Mutter Joyce sprach über die Nachrichtensender: „Dominic wollte mit 21 sein erstes Haus für mich bauen. Jetzt bringen sie mir seine Stiefel in einem schwarzen Sack.“

Die Todesmeldung setzte sich am Montagabend wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke. Nationalspieler wie Thomas Partey und Mohammed Kudus postierten schwarze Bilder mit den Worten „Stop killing our dreams“. Auch europäische Klubs, darunter Bayern München und Ajax Amsterdam, reagierten mit Kondolenzbotschaften. Für Ghana ist Frimpongs Tod mehr als eine private Tragödie – er ist ein Weckruf in einer Liga, in der sich Spieler bislang vor allem vor Hooligans, nicht vor Kugeln fürchten mussten.

Die Saison läuft weiter, Punkte werden verteilt, Tabellen verschoben. Doch auf dem kaputten Bus von Berekum Chelsea klebt seit Montag ein weißes Kreuz über Sitz 14 – und niemand wird ihn je wieder dort hinsetzen.